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Franchise-Journal

Interviews aus dem Franchising

Interview mit Jutta Dörmann-Wagner, Mitglied des Bundesvorstandes des B.F.B.M.

Im Bundesverband der Frau in Business und Management e.V., kurz: B.F.B.M., sind über 360 Geschäfts- und Karrierefrauen bundesweit organisiert und unterstützen sich gegenseitig in Geschäfts- und Karrierefragen. Der B.F.B.M. ist bundesweit in zur Zeit 17 Regionalgruppen organisiert, eine weitere ist in Gründung. In der Regel finden einmal monatlich Treffen statt, bei denen sich Vortragsabende und Netzwerkveranstaltungen, die dem reinen Austausch dienen, miteinander abwechseln. Die heute freiberuflich arbeitende Wirtschafts- und Managementberaterin Jutta Dörmann-Wagner ist 1998 selbst in den Verband eingetreten, war in einer Regionalgruppe lange im Vorstand und seit 2007 im Bundesvorstand des B.F.B.M.


 
Frau Dörmann-Wagner, gibt es für Frauen spezielle Schwierigkeiten sich selbstständig zu machen?
Ja, das ist sicherlich so. Allgemein kann man sagen, dass Frauen häufig mit einem Gründungsvorhaben von Banken kritischer beurteilt werden als Männer. Neben einem überzeugenden Konzept, das mit einem fundierten Businessplan unterlegt ist, benötigen Frauen daher ein erhebliches Maß an Selbstbewusstsein, um sich optimal zu präsentieren. Wenn eine Gründerin als Persönlichkeit überzeugt und auch das Gründungsvorhaben kritischer Prüfung standhält, stehen die Chancen gut. Daher ist eine gründliche Vorbereitung - evtl. auch durch ein Coaching - auf Finanzierungsgespräche unumgänglich.

 

Darüber hinaus sind Frauen durch ihre Mehrfachbelastung mit Beruf, Familie und Partnerschaft häufig gehandicapt, wenn es um die Umsetzung ihrer Gründungsidee geht. Während hinter einem erfolgreichen Mann häufig eine starke, unterstützende (Ehe-)frau steht, gilt das im umgekehrten Fall nicht unbedingt. Manchmal müssen Frauen ihre Vorhaben sogar gegen den Willen ihrer Partner durchsetzen, oder verzichten aufgrund der fehlenden Unterstützung ganz darauf.

 

Inwiefern bietet ein Netzwerk wie B.F.B.M. Unterstützung für potentielle Gründerinnen?
Netzwerke bieten Frauen den Zugang zu drei wesentlichen Faktoren, die ihnen bei allen Vorhaben nützlich sein können: Wissen, Erfahrung und Informationen. In Informations- und Vortragsabende werden berufsrelevante Themen behandelt. Gleichzeitig bietet der Austausch mit erfahrenen Selbständigen oder Mangerinnen eine sehr gute Möglichkeit, „das Rad nicht neu erfinden zu müssen“ und in erheblichem Umfang vom gesammelten Wissen und den Erfahrungen der Netzwerkerinnen zu profitieren. Und drittens erhält frau über das Netzwerk Nachrichten und wichtige Informationen (z.B. über neue Fördermöglichkeiten und –programme), auf die sie ansonsten meist gar nicht oder nur zufällig gestoßen wäre.

 

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich im Laufe meiner mehr als 10-jährigen Netzwerkmitgliedschaft erheblich von diesem Schatz profitiert habe.

 

Wie wird Ihre Netzwerkarbeit von Gründerinnen aufgenommen?
Vielen Gründerinnen ist nicht bewusst, wie wichtig es ist, sich über Netzwerke zu verbünden und sich gegenseitig zu stärken. Ihnen wird oft erst nach Rückschlägen oder bei Problemen klar, dass ein Austausch mit Frauen in der gleichen Situation ihnen weiterhelfen könnte oder ihre Schwierigkeiten hätte vermeiden können. Gleichzeitig sollte Interessentinnen aber auch bewusst sein, dass ein Netzwerk immer vom Geben und Nehmen lebt. In der Gründungsphase einzutreten und nach dem erfolgreichen Start das Netzwerk wieder zu verlassen, wie es leider manchmal auch vorkommt, widerspricht dem Netzwerkgedanken und die Frauen schaden sich damit auf längere Sicht selbst.

 

Wo sehen Sie besondere Stärken, aber vielleicht auch Schwächen, bei Existenzgründerinnen?
Große Stärken sehe ich im Führungsverhalten und in der Kritikfähigkeit von Frauen. Sie stellen meist Sachfragen in den Vordergrund und handeln im Sinne des gemeinsamen Erfolgs. Dagegen verschleißen sich Männer häufig in Hahnenkämpfen und Machtgerangeln und stellen oft ihren persönlichen Erfolg in den Mittelpunkt ihres Handelns.

 

Als Schwäche ist zu sehen, dass Frauen aufgrund ihres höheren Risikobewusstseins häufig eine Scheu davor haben, in größerem Maßstab zu gründen. Sie versuchen dann, langsam oder in kleineren Einheiten ihre Selbstständigkeit umzusetzen. Aber auch diese Medaille hat zwei Seiten: Was einerseits manchmal ein Nachteil ist, weil Frauen ihre Potenziale nicht ausschöpfen, ist anderseits auch von Vorteil: Frauen gehen meist weniger riskante Geschäfte ein und von Frauen geführte Unternehmen sind statistisch gesehen deutlich geringer von Insolvenz bedroht als die von Männern.

 

Reine Männer- aber auch reine Frauenteams sind allerdings aus meiner Erfahrung heraus problematisch. Es hat sich gezeigt, dass gemischte Teams häufig die besten Arbeitsergebnisse haben. Eine aktuelle Untersuchung in Frankreich hat ergeben, dass Konzernunternehmen mit einem signifikanten Frauenanteil im Management überdurchschnittlich erfolgreich sind!

 

Halten Sie Franchising für einen relativ sicheren Weg in die Selbstständigkeit?
Vom Ansatz her halte ich den Gedanken des Franchising für gut. Die oben geschilderten Probleme bei der Finanzierung, ein erprobtes Unternehmenskonzept mit entsprechender Präsentation und die Unterstützung durch ein Franchise-Netzwerk federn die Einstiegsprobleme in die Selbständigkeit ab und kommen damit dem Risikoempfinden von Frauen besonders entgegen. Gleichzeitig sollte interessierten Gründerinnen aber klar sein, dass auch in einem Franchise-System die Selbständigkeit nicht von allein läuft und die Unternehmerin aktiv an der Entwicklung ihres Geschäftes arbeiten muss. Jede interessierte Gründerin sollte allerdings die Geschäftsidee und das Konzept des Franchisegebers genau prüfen und sich ggf. auch beraten lassen, da es auch in diesem Bereich schwarze Schafe gibt. Besonders zu empfehlen ist, dass die Gründerin sich bei anderen Franchisenehmern des Franchisegebers persönlich erkundigt.

 

Haben Sie selbst schon Erfahrungen mit Frauen, die sich mit einem Franchisesystem selbstständig gemacht haben, sammeln können?
Sowohl persönlich als auch in unserem Netzwerk habe ich bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln können. Ich habe vor vielen Jahren für mich einige Systeme geprüft, bin aber letztlich zu dem Ergebnis gekommen, meine Selbständigkeit als Einzelunternehmerin umzusetzen. Eine sehr erfolgreiche Franchisenehmerin in unserem Verband hat schon mehrfach in Netzwerkveranstaltungen unseres Verbandes über ihre guten Erfahrungen und ihre positive Entwicklung durch das übernommene System berichtet.   


01.06.09 ©opyright FranchisePORTAL (vi)


Kontakt:
Bundesverband der Frau in Business und Management e.V.
Email: jutta.doermann-wagner@bfbm.de   Homepage: www.bfbm.de 

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