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Herr Suat Bakir ist Diplom-Volkswirt und seit 2009 Geschäftsführer der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (TD-IHK). Die TD-IHK ist eine bilaterale Plattform mit Brückenfunktion zwischen türkischer und deutscher Wirtschaftskultur. Sie ebnet und pflegt Kontakte zwischen Wirtschaftskreisen beider Länder und führt sowohl regionale als auch überregionale Organisationen zusammen.
FranchisePORTAL: Sehr geehrter Herr Bakir, gibt es für
gründungsinteressierte Migranten besondere Hürden, wenn sie sich in Deutschland
selbstständig machen möchten?
Suat Bakir: Der Weg in die Selbständigkeit ist sowohl für
Migranten als auch für Nicht-Migranten mit vielen Unwägbarkeiten verbunden.
Unterschiede ergeben sich jedoch bei den vorhandenen Rahmenbedingungen und den
unterschiedlichen Möglichkeiten auf individuelle, soziale und materielle
Ressourcen zurückzugreifen.
Im Wesentlichen handelt es sich bei Migranten
oft um mangelnde Vorbereitung auf die angestrebte Selbständigkeit, unzureichende
Kenntnisse über die Zuständigkeiten der deutschen Behörden und ungenügende
Kenntnisse über Fördermöglichkeiten und -Programme.
FranchisePORTAL: Wo sehen Sie besondere Stärken im
Hinblick auf Existenzgründungen speziell bei Migranten türkischer Herkunft?
Suat Bakir: Migranten verfügen über bilinguale Kenntnisse
und interkulturelle Handlungskompetenzen – dies verschafft ihnen wichtige
Vorteile im Wettbewerb.
Aus der Selbständigkeit türkischstämmiger Migranten
ergeben sich große wirtschaftliche und gesellschaftliche Chancen. Diese
Unternehmer bilden die Schnittstelle zwischen zwei Kulturen. Sie sorgen für eine
Branchen- und Produktvielfalt und kurbeln so den Wettbewerb an. Als Brücke
zwischen der deutschen und der türkischen Wirtschaft fördern Sie den
wirtschaftlichen Austausch und damit auch die Intensivierung der kulturellen und
politischen Beziehungen.
FranchisePORTAL: Gibt es vielleicht auch besondere
Schwächen, auf die man mit Beratungsangeboten eingehen sollte?
Suat Bakir: Migranten brauchen genauso wie deutsche Unternehmensgründer professionelle Beratung über die Merkmale der beruflichen Selbständigkeit, denn zwischen einer Geschäftsidee und der Gründung eines Unternehmens liegen Welten. Für die erfolgreiche Gründung gilt es die Beratungsangebote intensiv zu nutzen. Interkulturelle Beratungsangebote der Industrie- und Handelskammern und berufsständischer Institutionen erleichtern den ersten Schritt zur Selbständigkeit.
FranchisePORTAL: Sehen Sie bei etablierten
Franchise-Systemen besondere Chancen für Migranten in Deutschland, eine
erfolgreiche Selbstständigkeit zu führen?
Suat Bakir: Es gibt leider im Vergleich nur wenige Franchise-Nehmer mit Migrationshintergrund. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass Franchise-Systeme kaum Einstiegsprogramme anbieten, die auf die Bedürfnisse der Migranten ausgerichtet sind. Auch sprachliche Barrieren wirken hierbei hemmend und sollten durch Unterstützungsleistung der Franchise-Geber abgebaut werden.
FranchisePORTAL: Halten Sie eine gezielte Ansprache von
Migranten als potentielle Existenzgründer bzw. Franchise-Partner für
sinnvoll?
Suat Bakir: Die Potenziale der Migranten sollten auch für Franchise-Systeme nicht ungenutzt bleiben. Der wirtschaftliche und demografische Strukturwandel in Deutschland erfordert die Integration dieser Menschen in die Franchise-Wirtschaft. Zielgerichtete Unterstützung der Migranten kommt sowohl der Wirtschaft als auch der gesamtgesellschaftlichen und sozialen Integration zu gute.
FranchisePORTAL: In wie weit wird in Zukunft, Ihrer
Meinung nach, die deutsche (Franchise-) Wirtschaft von Unternehmern mit
Migrationshintergrund geprägt sein?
Suat Bakir: Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und der wachsende Wettbewerbsdruck in der globalen Wirtschaft verschärft die Situation immer mehr. Die Qualifikationen und fachlichen Kompetenzen der Migranten müssen in der Franchise-Wirtschaft stärker anerkannt und gefördert werden – auch im Hinblick auf die interkulturelle und globale Expansion. Migrantenunternehmen sind ein wichtiges Standbein der deutschen Wirtschaft und werden auch im Bereich des Franchising nicht mehr wegzudenken sein.
FranchisePORTAL: Herr Bakir, vielen Dank für das
Gespräch!
04.05.2011 ©copyright FranchisePORTAL