

Erfahren Sie Neuigkeiten aus der Franchise-Wirtschaft!
Aktuelle Nachrichten, Themenspecials, Interviews & Erfolgsstories
Qualität im Franchising – der Network Governance Kodex
Neue Medien - Strategie oder Versuch und Irrtum?
Die Inhalte des Franchise-Leistungspaketes
Gebühren im Franchising – immer wieder ein spannendes Thema (Teil 1)
Wieviel Systemvorgaben brauchen erfolgreiche Franchise-Systeme?
Trust Marketing - das aktuell bedeutendste Marktbedürfnis
Zeitdiebe stoppen – Effizienz und Lebensqualität steigern
Greenfranchising- wie man sein Franchise-System zukunftssicher macht!
Die 9 Spielregeln für Fairplay Franchising
Was ist Franchising wirklich? Eine Stellungsklärung
Macht sinnliche Kommunikation Sinn?
Die Mär vom ultimativen Franchise-Handbuch
(Klaus P. Morin - Klaus P. Morin Consulting)
Reihe: Ansichten zum modernen Franchising
Die Wunderwelt des Franchising. „Franchising als risikoarmer Weg
in die Selbstständigkeit “, das behaupten die selbsternannten Franchiseexperten und gern auch mancher
Franchisegeber. „Franchising als der Retter des Mittelstandes“ ist
aus den eher verbands- und politikorientierten Kreisen zu hören. „Franchising
zum Auspressen von ahnungslosen Existenzgründern“ schelten regelmäßig namhafte Medien
auf der Jagd nach Auflagenzahlen.
In diesen polarisierten Meinungsbildern ist eine
Positionsklärung angezeigt.
Da werden immer wieder die gleichen Schlagworte benutzt wie „Welt
des Franchising, Franchisewirtschaft oder Franchisebranche“, verbunden
mit dem Nimbus einer Wunderwelt für Unternehmer aller Art. Da wird ein Gewese um
das Franchising gemacht, das den Blick auf die Realität nachhaltig verklärt.
Dahinter stecken meist Unwissenheit und Täuschung oder handfeste, gezielte
Geschäftsinteressen.
Es gibt nämlich keinen Planeten namens „Franchising“ und
auch keinen Wirtschaftszweig dieses Namens und auch keine
solche Branche. Franchising ist trotz gegenteiliger Beteuerungen kein elitärer
Unternehmerclub.
Reduziert auf seine wirtschaftswissenschaftliche
Bedeutung stellt das Franchising lediglich einen Vertriebsweg dar,
einen von ungezählten weiteren. Dieser Vertriebsweg ist gemessen am Umsatz
relativ überschaubar im Vergleich zu den Leistungen von Vertriebsstrukturen
beispielsweise globaler Industrieunternehmen. Wie die andern Vertriebswege auch,
zeichnet sich das Franchising durch allerlei spezifischer
Besonderheiten aus: Zunächst einmal ist es ein kooperativer Vertrieb
mit selbstständigen und unabhängigen Teilnehmern. In der Regel zeichnete es sich
durch eine Vielzahl von Teilnehmern aus, was eine Systematisierung für die
Übertragbarkeit des Geschäftskonzepts erfordert. Aber auch unter diesen
Eingrenzungen finden sich noch eine ganze Anzahl alternativer
Kooperationsformen. Die werden in der Regel anhand der Kooperations-Intensität
miteinander verglichen. Gering ausgeprägt ist der Kooperationsgrad in einer
Genossenschaft und am anderen Ende der Skala trifft man auf den Vertragshandel.
Irgendwo dazwischen finden wir das Franchising mit einem mehr oder minder
frei definierten Kooperationsgrad. Dieses Definitionsdefizit
ist das Tor zur „Wunderwelt“. Man kann sich nämlich nur darüber wundern, wie man
das Franchising auslegen kann.
Es gibt keine geschlossene Rechtsdefinition, die etwa
mit dem Genossenschaftsrecht oder dem Handelsvertreterrecht vergleichbar wäre.
Das Verhältnis zwischen Franchisegeber und -Nehmer wird durch einen so genannten
Mehrtypenvertrag geregelt, dessen Bestimmungen sich aus unterschiedlichsten
Rechtsbereichen zusammensetzen. Dies öffnet den absonderlichsten
Regelungsmöglichkeiten Tür und Tor. Dadurch finden besonders
ausländische Vertragstypen mit zuweilen sehr einseitigen und
restriktiven Bestimmungen Eingang in den deutschen und europäischen
Wirtschaftsraum. Diese führen dann regelmäßig zu langwierigen gerichtlichen
Auseinandersetzungen über die grundsätzliche Zulässigkeit solcher Bestimmungen.
Dergleichen ist nicht nur für die Beteiligten recht kostenaufwändig sondern
wirkt sich insgesamt kontraproduktiv aus.
Dieses Definitionsdefizit wird in der Folge auch gern
von dubiosen Anbietern genutzt. Unter das Deckmäntelchen des Franchising
flüchten sich beispielsweise auch MLM-Unternehmen mit fiesestem Strukturvertrieb
(wobei nicht alle MLM-Vertriebe gescholten werden dürfen), Lizenzvertriebe oder
Pächtersysteme und Ähnliches mehr. Es entsteht die angesprochene
Vielschichtigkeit des Franchising, deren Undurchsichtigkeit zur
„Wunderwelt“ hochstilisiert wird.
Der Vertriebsprofi nutzt diese Vielschichtigkeit gezielt. Je nach
Interessenlage des Unternehmens wird das Franchise gern als Teillösung
des „High End“-Vertriebes genutzt, als Gemisch aus filialgeführten
Flagship-Stores und kleinen Franchise-Satelliten zur Flächendeckung. Es wird
auch gern als Instrument zur Auslagerung personeller Risiken und Kosten genutzt.
Auch können firmeninterne Kostenträger zu echten Ertragsgeneratoren umgewandelt
werden. Die Nutzungsmöglichkeiten sind eben entsprechend vielseitig.
Ein reines Franchise-System zu bewirtschaften ist jedoch
eine Königsdisziplin, die nur selten anzutreffen ist. Dabei handelt es sich um
ein Vertriebssystem, das ein originäres Konzept umsetzt, aber ohne eigene
Herstellung oder Abhängigkeiten von Lieferanten, ohne eigenes Lagerrisiko,
Wareninkasso und dergleichen. Ein solches Unternehmen aufzusetzen bedarf in der
Tat sehr tiefer fachlicher Kenntnisse und Erfahrungen im Franchising.
Franchising ist aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss, wie es uns
die „Experten“ gerne weismachen möchten. Vielmehr gilt es, die für ein Vorhaben
am besten geeignete Vertriebsform auszuwählen. So kann ein
eigenes filialgeführtes Vertriebsnetz erheblich mehr Ertrag generieren wogegen
ein Kooperationssystem schneller und mit weniger Kapitalbindung expandieren
kann. Aus den individuellen Gegebenheiten und Zielen ist der passende Plan und
die Kooperationsform zu entwickeln.
Das ist alles kein Geheimnis und sollte von einem Vertriebsprofi mit
Unterstützung eines Sparringpartners für die Systementwicklung umgesetzt werden
können. Wichtig ist der Abgleich zwischen Umsetzungszielen und dem Aufzeigen der
realisierbaren Möglichkeiten.
Das Franchising birgt keine Geheimnisse, die nicht durch Arbeit
entschlüsselt werden könnten. Die Wunderwelten suchen wir alle noch!
In der heute gängigen Franchisepraxis haben sich im Laufe der Jahre viele Vorgehensweisen, Eigenheiten und Meinungen verfestigt, die einmal hinterfragt werden sollen. Für ein modernes und zukunftsweisendes Franchising können viele dieser Vorgehensweisen verbessert, alte Zöpfe können abgeschnitten und der Einsatz zeitgemäßer Techniken definiert werden.
Klaus P. Morin, Hamburg, blickt auf über 20 Jahre Erfahrung in der
Entwicklung und dem Aufbau von Franchise Unternehmen zurück. Hier schildert er
in lockerer Folge seine ganz persönlichen und teils kritischen Ansichten zur
Franchisepraxis und bietet einen ungewöhnlichen Ausblick auf die weiteren
Entwicklungen.