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2/4/2009

Franchising im Wandel – Social Entrepreneurship und Kulturfranchising als zeitgemässe Ansätze

In den nächsten Jahren wird ein tief greifender Wandel in der Franchiselandschaft stattfinden. Der Begriff Franchising wird mit anderen, neuen Inhalten aufgeladen werden.


Noch wird Franchising vor allem mit internationalen Fast-Food-Ketten assoziiert. Gesättigte Märkte, sich verändernde Gesellschaftsstrukturen, Wertewandel und die globale Vernetzung haben nicht nur Einfluss auf die Leistungsangebote in deren spezifischen Produkt- und Dienstleistungsmärkten, sondern auch auf den Partnermarkt – also jenem Markt, auf dem das Geschäftskonzept Existenzgründern und Firmen angeboten wird. Kulturfranchising, Mikrofranchising im Zusammenhang mit Mikrofinanzierung  – ursprüngliche und adaptierte Formen der Multiplikation von Geschäfts-Know-how sollen in dieser Ausgabe und der nächsten vorgestellt werden.


Die Markenbildung im kulturellen Bereich
Die Kultur als Sammelbezeichnung für Religion, Wissenschaft, Kunst, Moral, Einstellung, Recht, Technik u.v.m. wird unter dem Aspekt der globalen Vernetzung immer interessanter und wichtiger. Die Verschiedenheit der Kulturen und doch Parallelen im Verhalten der Menschen lassen multiplizierbare Konzepte vom Streetworker-Projekt bis zum Kunsttransfer zu. Neben der Modifizierung herkömmlicher Franchise- und Lizenzstrukturen muss vor allem auf eine Sensibilisierung der Projektverantwortlichen für das Angebot als aufzubauende Marke erfolgen.

Hoffnungsträger im soziokulturellen Bereich
Social Entrepreneurship und Kulturfranchising als Möglichkeiten, aus künstlerisch inspirierten oder gar sozialpolitischen Projekten mögliche „Exportgüter“ zu kreieren, zeigt bereits interessante Erscheinungsformen und wird zukünftig noch weitaus mehr überlegenswerte Modelle hervorbringen. Als Pioniere im Bereich der Jugendarbeit sind sicher die Young Americans zu betrachten. 1962 in den USA als Entertainment-Gruppe  gegründet schwenkte das Ensemble in den 90iger Jahren des letzten Jahrhunderts als gemeinnützige Organisation von Entertainment auf Pädagogik. Letzteres, um den damals entstehenden dramatischen Tendenzen an den Schulen in den USA mit kreativen Lernprojekten zu begegnen. Die Arbeit der Young Americans besteht darin, dass 50 Gesangs- und Tanzstudierende mit den Schülern einer Schule innerhalb von zwei Tagen eine Show einüben, die am dritten Tag vor Publikum aufgeführt wird. Das Besondere daran ist, dass alle Schülerinnen und Schüler involviert sind – als Tänzer/innen, Sänger/innen etc. Der Effekt ist, dass sich alle Schüler/innen danach als wichtigen Bestandteil einer Gruppe erkennen und lernen, dass sie selbst wichtig sind. Michael Heib, der heutige General Manager Europe der globalen kulturpädagogischen Initiative Young Americans, holte dieses Projekt 2001 nach Europa. Seither wurden mehr als 400 Workshops an Schulen in 12 europäischen Ländern durchgeführt – immer mit Erfolg. An der „berüchtigten“ Rütli-Schule in Berlin-Neukölln sorgte der Erfolg des Workshops für eine breite Aufmerksamkeit. www.youngamericans.eu


Mit einer standardisierten Multiplikation à la Franchising wird die StreetUniverCity (www.streetunivercity.de) zum grenzüberschreitenden Kulturboten. Die StreetUniverCity, eine Initiative für ausserschulische Jugendbildung im sozialen, sportlichen und kulturellen Bereich, die berufsorientierende und –vorbereitende Angebote für Jugendliche in sozialen Brennpunkten bietet, hat bereits über die Landesgrenzen hinaus eine Nachfrage erzeugt – denn vernachlässigte Jugendliche sind – wie oben zuvor ersichtlich - kein singuläres Problem der Hauptstadt Berlin. Das Projekt wurde von Gründern aus der Szene mit grossem Engagement entwickelt und wird nun per Franchising für zukünftige Partner viele Mehrwerte bringen, denn nicht nur die Inhalte des Lernangebotes, auch das Vorgehen, um Sponsoren und andere Förderer zu eruieren wird in dem Franchisepaket enthalten sein. Mit der anteiligen Rückfinanzierung durch die Franchisepartner kann sich das System stetig weiterentwickeln, können internationale Förderer gefunden werden und damit wiederum Inspiration und einen echten Nutzen für die ganze Gruppe bringen. Damit lehnt sich das Konzept an die Mikrofranchising-Modelle an, die vor allem durch die Arbeit des Nobelpreisträgers Muhammad Yunus bekannt wurden. Mikrofranchising bietet leicht reproduzierbare Geschäftsmöglichkeiten für so genannte Mikrounternehmer in Entwicklungsländern an. Naoko Felder-Kuzu beschreibt in ihrem Buch „Kleiner Einsatz, grosse Wirkung“: „In Verbindung mit Mikrofinanz ist Mikrofranchising ein leistungsfähiges Entwicklungsinstrument, das das Potenzial hat, die Armut der Menschen auf BOP-Stufe schneller zu lindern“ .


So kann der Franchisegedanke bis in den Non-Profit-Bereich getragen werden und aufzeigen, dass es sich dabei um ein strategisches Vorgehen handelt, dessen Instrumente und Massnahmen die genannte Standardisierung und Multiplikation von Ablaufprozessen und Geschäfts-Know-how etc. bedeuten.

Multiplizierte Kunst 
Bekannte Modelle mit Elementen strategischer Allianzen und Lizenzierung stellen u.a. das Guggenheim-Museum mit diversen „Ablegern“ im Ausland dar und das Centré Pompidou in Paris, Metz und bald in China. Synergieeffekte können hier durch die Roadshow-artigen also mobilen Ausstellungen erfolgen und vor allem die zum Teil grossen Lagerbestände an Exponaten zugänglich und damit wirtschaftlich machen. Hinzu kommt, dass die Nutzungsrechte des Namens für den Kooperationspartner imagefördernde Qualitäten haben kann – wie im Falle des Guggenheim Museums, dessen Berliner Partner die Deutsche Bank ist. So war in einem damaligen Artikel von Matthias Frehner im NZZ Folio  zu lesen, dass sich die Guggenheim Dependance für die Deutsche Bank als Sprungbrett für den Kontakt mit Vertretern neuer Märkte nutzen lässt. Sei es die Prestigewirkung, die optimierte Ressourcenplanung durch die Verteilung auf mehrere Standorte oder die Markierung von Kult(ur-)stätten im internationalen Markt - die Identifikation, Standardisierung und Multiplikation von Erfolgsfaktoren begleitet von einer entsprechenden Arbeits- und Kostenteilung bergen Vorteile, wie sie dem „reinrassigen Franchising“ inne sind.


Beim Kulturfranchising rekrutieren sich die Partner in der Regel aus Branchenspezialisten, Unternehmen, Investoren – weniger aus Existenzgründerkreisen. Die Wirkung ist jedoch eine ähnliche, nämlich, dass die Partner im Verbund einen wesentlichen Vorteil erkennen und sehen, dass der eigenständige Aufbau eines ähnlich gelagerten Konzeptes mit einer vergleichsweise langen Aufbauzeit verbunden ist und man sich zudem typische Blessuren durch „Versuch und Irrtum“ zulegt.


Erzähl-Salons als inspirierendes Geschäftskonzept
Spannend ist, dass bei Kooperationen im kulturellen Bereich auch Themen aufgegriffen werden, die einmal ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens waren und nun in einer zeitgeistigen Form präsentiert werden. So gibt es beispielsweise das Aufleben so genannter Erzähl-Salons, deren Ursprung zum einen in der jüdischen Tradition des Sabbat zu finden ist, wo sich Familienmitglieder am Freitagabend die Geschichten der vergangenen Woche erzählt haben. Zum anderen sind die Pariser und Berliner Salons des 18./19. Jahrhunderts mit ihrer zwanglosen Geselligkeit, Toleranz und gemeinsamer Themenbereiche Anknüpfungspunkte für die Rohnstock Erzähl-Salons www.rohnstock-biografien.de ). An der Erzähl-Akademie kann man sich zur Salonnière bzw. zum Salonnier ausbilden lassen und später auch als Partner solche Salons führen, interessante Veranstaltungen initiieren und moderieren. So wurden beispielsweise Erzähl-Salons im Rahmen der Hamburger Lesetage veranstaltet, in der Komischen Oper Berlin, auf der MS Europa und zu vielen anderen diversen Anlässen.


Die Mitte schwindet
Die teilweise Kritik dem Franchising gegenüber richtet sich häufig gegen mancherlei Konzepte oder die Überkommerzialisierung von Geschäftsideen. Hier wird es in den nächsten Jahren eine strukturelle Bereinigung geben, denn der Partnermarkt – also der Markt potenzieller Franchisenehmer zeigt sich wie der der Konsumenten zunehmend kritischer. Nicht das x-ste Me-too-Franchisekonzept wird das Rennen machen, sondern eines, das sich eines echten Bedürfnisses annimmt, Differenzierungsmerkmale hat, Fairness in der Partnerschaft aber auch gegenüber den Abnehmern aufweist und effektiv besonders ist. Denn wie bei austauschbaren Konsumgütern besticht entweder eine profilstarke Marke oder eine preislich günstige Alternative – alles, was sich im Mittelfeld dieser beiden Extreme befindet wird es zunehmend schwerer haben, sich am Markt zu behaupten.


©copyright 04.02.09 Prof. Veronika Bellone

Zur Person
Prof. Veronika Bellone, gebürtige Berlinerin, ist seit 1986 im Franchise-Business tätig, ehemals als Franchisemanagerin bei der Cosy-Wasch-Autowaschanlagen GmbH in Berlin und seit 1991 als selbstständige Franchiseberaterin in der Schweiz.

2009 startet sie, die u.a. die Schweizer Post, Mövenpick, Fleurop, Warner Bros. beraten hat, mit der Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH, unter eigenem Namen und mit einem relevant erweiterten Leistungsspektrum für den gesamten deutschsprachigen Raum, neu durch.

Neben der klassischen Franchise-Beratung fokussiert Bellone auf zwei komplementäre Felder: die Trend- und die Marken-Beratung.
In Zusammenarbeit mit dem Brand Consultant Thomas Matla, einem Spezialisten für den Aufbau nationaler und internationaler Marken, bietet die Schweizer Bellone FRANCHISE CONSULTING Beratungen, Coachings und Workshops rund um das Thema Franchising – von der Trend Analyse, über die Markenpositionierung, bis zur Implementierung von Franchise Systemen im Markt.

Kontakt:
Prof. Veronika Bellone, office@bellone-franchise.com. www.bellone-franchise.com
Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH,
Poststrasse 24/ Postfach 1355, CH-6300 Zug
Tel. 0041 41 712 22 -11 Fax -10

©copyright 04.02.09

 

Autor:

Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH

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