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4/5/2008

Trends und Perspektiven im Franchise-Business

Geht man nach dem Kondratieff-Modell, so befinden wir uns im Übergang vom 5. zum 6. Kondratieff – von der Informationstechnologie zur Fusionstechnologie. Mit jeder neuen technologischen Welle wird wieder ein Wachstums-/Produktivitätsschub ausgelöst – die Informationstechnologie allein kann die Produktivität in einer sich stark verändernden Umwelt nicht mehr erhöhen, aber Biotechnologien, die sich z. B. der Energiefragen annehmen – dort werden grosse Innovationen bevorstehen.


Parallel zu den Techniken wird es auch um soziale Innovation gehen. Der demografische Wandel in den Industrieländern und die vielen aufblühenden Nationen werfen z. B. Fragen auf zur Stärkung der Gesundheit in einer alternden Gesellschaft und zum anderen, wie man mit Humanressourcen umgeht. Das Finden von kreativen Lösungen wird viel mit den Rahmenbedingungen zu tun haben, die dafür geschaffen werden müssen. Unter welchen Bedingungen können Innovationen entstehen. Wie müssen Teams und Netzwerke zusammengesetzt werden, damit etwas Neues entstehen kann? Wie können globale Veränderungen und Probleme ganzheitlich betrachtet werden, um auch ganzheitliche Lösungen zu finden?


Wir leben in einer Wissensgesellschaft, in der Informationen global und zeitnah zur Verfügung stehen; in der jeder seine Erfahrungen mit dem ein oder anderen Produkt oder der ein oder anderen Dienstleistung gemacht hat und sich darüber austauscht, ob persönlich, über spezielle Comminities oder Themenblogs im Internet.

Selbstdarstellung und Kollaboration
Die Kommunikation ist einfacher geworden, und die Interaktion hat exponentiell zugenommen, das ist selbstverständlich auch für Franchisesysteme spürbar geworden und das nicht nur in der Kommunikation mit dem Kunden, sondern auch mit dem (potenziellen) Franchisepartner. YouTube und MySpace haben klar gemacht, welche grundlegenden Veränderungen stattgefunden haben. Dass Selbstdarstellung und Kollaboration für die Konsumenten zu wichtigen Werten avanciert sind.


PC-Spezialist ist bereits einen für die Franchisebranche revolutionären Weg gegangen und hat mit der Open-Source-Software von Wikipedia, die kostenlos und zudem leicht zu installieren ist, ein eigenes Wissensmanagement online aufgebaut und kann damit Partner und Mitarbeiter interaktiv beteiligen. Zudem kann jeder Partner Ideen im Wiki präsentieren und diese als Franchisegeber anderen Partnern anbieten, die Franchisezentrale bezahlt ihn sogar dafür(1).

Die Angst vor Kontrollverlust ist bei vielen Unternehmen jedoch noch stark verbreitet. Dass man jedoch auch mit einem soften, moderierten Einstieg beginnen kann, um Partner oder Konsumenten einzubeziehen, zeigt z.B. die Berliner Zeitung Tagesspiegel auf ihrer Homepage (www.tagesspiegel.de), dort können sich geneigte Leser/Autoren am Online-Spiel „Sensation“ beteiligen und Kurzgeschichten respektive Meldungen schreiben, die von Mitspielern bewertet und so allenfalls in den Ressortseiten aufgenommen werden. Konsumenten werden immer mehr zu Produzenten. Das Internet ist das Tor zur Welt und ermöglicht Selbstdarstellung in den facettenreichsten Formen: über Avatare (z.B. in Second Life), über die Stimme (Podcast), als Akteur (Video), als Autor (Weblogs) etc.(2). Kollaborationslust und Kreativitätsentfaltung sind wichtige Schlagworte im Bedürfnisreservoir der Kunden, von daher liegt der Schwerpunkt des Marketing heute nicht mehr in Beeinflussung und Suggestion, sondern im Beziehungsaufbau und dem Erzeugen von Glaubwürdigkeit.


Der Einfluss von Megatrends auf die Franchise-Wirtschaft
Zu den Megatrends im unternehmerischen Umfeld gehört noch immer das Outsourcen von Funktionen und damit häufig das Bilden strategischen Allianzen. Aber anders als es in den 80iger und 90iger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Fall war, wird nicht zwingend die Produktion, sondern werden Forschung & Entwicklung sowie Design ausgelagert. Insbesondere im Elektronikbereich, aber ebenso in der Automobil-, Pharma- und Konsumgüterbranche. Mit einem oder mehreren Partnern sollen die Unternehmensziele schneller, kostengünstiger und nachhaltiger erreicht werden.


Neu ist eher der Typus symbiotische Netzwerk-Allianz, wo alle beteiligten Partner gleichberechtigt zum Unternehmenserfolg beitragen. Ein Beispiel ist Lenovo mit IBM, die 2005 zu einem Netzwerk-Unternehmen zusammengewachsen sind (3).   

In den USA wird dieser Allianz-Typ in Form von Co- oder Cross-Brandings gelebt. So kooperieren z.B. Mc.Donald’s und Hungry Jacks mit Shell bzw. BP, Bruster’s Real Ice Cream mit der Hot Dog-Kette The Nathan’s Famous und gestalten damit nicht nur die Standorte attraktiver und erhöhen die Kundenfrequenz, sondern können Kosten reduzieren, in dem Unterhaltskosten aufgeteilt werden können.


McCafé, das 1993 in Melbourne seine „Geburtsstunde erlebte, wird heute international und in Europa an einem gemeinsamen Standort mit McDonald’s geführt. Hier hat das Co-Branding vielerorts zu einer Belebung der Dachmarke McDonald’s geführt.


All diese mehr oder minder neuen Unternehmensstrukturen eröffnen neue Innovationschancen, um im globalen Markt bestehen zu können. Doch der globale Markt besteht auch aus einer ebensolchen heterogenen Kundenstruktur bzgl. Nationalitäten, Kulturen, Religionen, Schichten etc.. Um diesen grossen Markt im Kleinen abzubilden bzw. authetischer bedienen zu können, wird gelebte „Diversity“ (Verschiedenheit) in der inneren Unternehmensstruktur immer wichtiger. Verschiedenheit kann nur verstanden werden, wenn man sie selbst lebt und das heisst für die Mitarbeiterstruktur eine möglichst multikulturelle Zusammensetzung, aber auch ein entsprechender Alters- und Geschlechter-Mix.


Franchisesysteme haben durch ihr arbeitsteiliges Netzwerk von Franchisegeber-Zentrale  und dezentralen Franchisepartner-Betrieben eine gute Voraussetzung, um Marktveränderungen mit „mehreren Augen und Ohren“ wahrzunehmen und daraus innovative Lösungen zu kreieren. Allerdings werden die Möglichkeiten zum Teil zu wenig ausgeschöpft bzw. wenig motivierende Plattformen für den kommunikativen Austausch geschaffen. Zu hinterfragen ist jedoch nicht nur die interne Kommunikation, sondern ebenso,   ob die Auswahl der Partner und Mitarbeiter im Franchise-Unternehmen den multikulturellen Bedingungen im eigenen Land und den avisierten Exportländern standhält. Für letzteres gibt es die Möglichkeit, mit einem Landespartner als Master oder Area Developer zu kooperieren, um sich landesspezifische Kenntnisse anzueigenen. Inwieweit jedoch diese Vorgehensweise den Bedingungen gerecht wird, ist zu untersuchen. In den USA fördert die IFA (International Franchise Association) eine Initiative namens MinorityFran. Diese setzt sich für die Förderung und Vermittlung von Minderheiten als Franchisepartner sowie Mitarbeitern ein. Zu den Minderheiten zählen nicht nur verschiedenste Nationalitäten, sondern auch Frauen, die noch in vielen Systemen untervertreten sind.

(1) Franchiseportal, 23.05.2007
(2) Andreas Haderlein, 2006, Seite 75
(3) Ebd., Seite 65

©copyright 05.04.08 Prof. Veronika Bellone

Autor:

Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH

Glossar