All articles only available in German. Sorry!
7/3/2002

Chatprotokoll: Vergabe von Masterlizenzen im In- und Ausland

Franchise Pool International e.K.

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Guten Morgen liebe Chat-Teilnehmer/innen. Zuerst möchte ich mich für die technische Panne entschuldigen, die exakt um 10.°° Uhr eingetreten ist als wir beginnen wollten. Ich freue mich, Ihnen jetzt für Frage zum Thema 'Franchise International', sei es für das Inbound- oder Outbound-Geschäft, zur Verfügung zustehen und hoffe auf eine rege Kommunikation.

Leser:Guten Morgen, Herr Kirst. Warum ist Master-Franchising im deutschsprachigen Raum so wenig verbreitet ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Obwohl Franchising ein internationaler Begriff ist und im Ausland vor allem in USA weit bekannter ist als bei uns, konzentriert sich der Markt in Deutschland fast ausschließlich auf deutsche Systeme. Es liegt sicher einmal an der unterschiedlichen Geschäftsmentalität, an der unterschiedlichen Sprache und auch an der unterschiedlichen Unternehmermentalität. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, wir sollten in Deutschland viel offener auf ausländsiche Partner im Franchising zu gehen und gemeinsam profitieren.

Leser:Welche erfolgreichen Master - außer Uniglobe Travel - können Sie mir nennen ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Ich kenne als internationales System, das nach dem Masterkonzept arbeitet noch FastWay Couriers aus Australien, die Sprachenschule Wall Street Institut und das System New Horizon. Diese drei plus Uniglobe sind meiner Kenntnis nach die einzigen Systeme, die hierzulande mit einem Master partner arbeiten. Das System Mail Box Etc. wird von einem Master aus Italien hier in Deutschland aufgebaut.

Leser:Guten Morgen, Herr Kirst, seit 5 Jahren baue ich die Fokus Sprachenschulen in Deutschland auf. Wir sind bereits in Frankfurt und Stuttgart, bald auch in Leipzig vertreten. Welche Voraussetzungen gibt es bei einem Ausbau in weiteren europäischen Städten? (Gesellschaftsform, Rechte und Schutz des Namens, Gewerbeanmeldung etc.)

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Diese Frage kann ich nicht in einem oder wenigen Sätzen beantworten. In jedem Land gibt es unterschiedliche Zulassungkriterien und unterschiedliche Marktgegebenheiten. Wir müssten hier schon konkreter werden. Können Sie mir nähere Angaben machen, für welche Länder Sie sich interessieren?

Leser:Welche Unterstützung kann ein Master vom Franchisegeber erwarten ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Sie müssen einen Master genauso sehen wie einen Franchisenehmer nur über Grenzen hinweg. Ich bin zum Beispiel Master des kanadischen Systems Uniglobe und in diesem Verhältnis ein Franchisenehmer. Ich kann daher alle Leistungen erwarten, die Sie später auch Ihren Franchisenehmern bieten müssen. Als Master erhalten Sie alle System Vorlagen, Schulungskurse, Dokumente, Marketingunterstützung und vor allem den wichtigen internationalen Erfahrungsaustausch. Wir könnten hier noch vieles aufzählen und gerne kann ich Ihnen dies auch später einmal nachreichen.

Leser:In Frage kommen zunächst Schweden, Portugal, Frankreich und Spanien.

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:OK, hier handelt es sich vorwiegend um EU-Länder und hier ist der Schritt noch verhältnismäßig einfach. Am besten wenden Sie sich an die örtlichen Franchiseverbände oder an die Auslandsvertretung des DIHT, dort erfahren Sie alles Wissenswerte. Die Geschäftssprache in allen diesen Ländern ist Englisch. Aus eigener Erfahrung würde ich Ihnen vorschlagen, zuerst nach Schweden, dann Spanien, Portugal und zuletzt nach Frankreich zu gehen. Wenn Sie Adressen der Verbände brauchen, dann kann ich gerne helfen.

Leser:Kommen nur markterfahrene Unternehmen oder auch Einzelpersonen für die Übernahme einer Master-Franchise in Betracht ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:In erster Linie werden Masterlizenzen an Einzelpersonen vergeben. Auch internationale Systeme suchen Unternehmerpersönlichkeiten. Ich kenne zur Zeit vier System aus USA, die in Deutschland einen Partner suchen und alle bevorzugen eine Einzelperson und weniger eine Firma. Der Grund liegt darin, dass Firmen diese Masterlizenz meist nur als weiteres Standbein sehen und sich meist nicht so stark engagieren wie eine Einzelperson, die auch voll im Risiko liegt. Wollen Sie eine Lizenz übernehmen?

Leser:Worin bestehen die Vor- und Nachteile der Einschaltung ausländischer Partner ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Die Vorteile liegen darin, dass Sie das Rad nicht neu erfinden müssen. Die Übernahme einer Masterlizenz hat den Vorteil, dass Sie ein erprobtes System übernehmen. Aber Achtung - erprobt im Land des Master-Gebers. Sie müssen prüfen, ob dieses System auch bei uns erfolgreich sein kann. Wohin geht Ihre Frage? Möchten Sie mit Ihren System ins Ausland oder wollen Sie eine Lizenz übernehmen?

Leser:Es wäre freundlich, wenn Sie mir diese Adressen zur Verfügung stellen könnten. gibt es einen Grund für die von Ihnen vorgeschlagene Reihenfolge?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Die Frage der Adressen kann ich leicht beantworten. Gehen Sie auf die Website www.franchiseassociations.com und sie finden die Adressen aller Verbände weltweit. Warum diese Reihenfolge: Ich kenne diese Länder und die Entwicklung des Franchising dort. Internationale System starten meist mit Erfolg in Skandinavien und auf der iberischen Halbinsel. Frankreich ist für Ausländer ein schwieriger Markt und ich kenne einige System, die in Frankreich gescheitert sind. Deshalb mein Rat.

Leser:Ich interessiere mich für eine Lizenz. Welche Vorbereitungen muss ein Master treffen, bevor er wirklich starten kann, und was ist an Zeit und Kosten zu veranschlagen ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Hier kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Zuerst sollten Sie sich einmal über das System grob informieren, am besten über das Internet. Dann sollten Sie sich Unterlagen anfordern. Man wird Ihnen eine dicke Mappe schicken, die Sie dann ausführlich studieren sollten. Wenn Ihnen das System zusagt und die finanziellen Voraussetzungen einigermaßen stimmen, dann sollten Sie sich mit dem System bzw. dem International Sales Manger in Verbindung setzen. Ein paar Gespräche am Telefon und dann ist unbedingt ein Besuch in der Zentrale des Master vor Ort notwendig. Alles weitere ergibt sich dann. Wenn Sie Hilfe brauchen, ein ausländisches System zu finden, das einen Master in Deutschland sucht, ich kenne einige. Auch kann ich Ihnen gerne zusätzliche Informationen geben, wenn die Frage nach Referenzen auftaucht und vieles mehr.

Leser:In Schweden ist die Mwst. sehr hoch. Gibt es die Möglichkeit, eine Abrechnung der Kursgebühren über Deutschland durchzuführen? Man könnte dadurch preislich sehr viel wettbewerbsfähiger sein.

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Wir selber haben ja eine Lizenz für Deutschland und Österreich. Wir berechnen die Franchisegebühr ohne Mehrwertsteuer, da die Leistung in Deutschland erbracht wird. Wenn Sie allerdings eine offizielle Firma in Schweden aufbauen, dann müssen Sie sich nach den örtlichen Gesetzen richten. Diese Frage kann Ihnen aber sicher ein Steuerberater besser beantworten - Sorry. Ich hoffe aber, die erste Antwort genügt Ihnen.

Leser:Wie finde ich Master in meinen Zielländern und mit welchem Aufwand muss ich bei der Suche rechnen ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Wenn Sie als deutscher Franchisegeber einen Master im Ausland suchen, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. 1. Besuch der lokalen Franchise-Messen. Eine Übersicht über internationale Franchisemessen finden Sie im Internet unter www.franchiseworks.com oder unter www.worldfranchising.com/franchiseshows.htm 2. Suchen Sie sich einen Franchiseberater in diesem Land. 3. Recherchieren und werben Sie über örtliche Franchise-Websites. Den Aufwand kann ich schwer beziffern, da es wiederum auf das Land ankommt und auf das System.

Leser:Hallo Herr Kirst: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Franchisesystem gekommen, um international zu expandieren ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Meine Empfehlung lautet, ein Franchisesystem muss unbedingt einige Jahre erfolgreich in Deutschland arbeiten und über eine respektable Zahl von Franchisenehmern verfügen. Uniglobe hat sich von Nordamerika erst nach 10 Jahren ins Ausland gewagt. Ein kleiner Unterschied ist der Sprung in unser Nachbarland Österreich. Dort können Sie es auch schon früher wagen, denn dort sind die Bedingungen fast identisch und das Verständnis für Franchising gleich und vor allem - wir sprechen die gleiche Sprache.

Leser:Was für Analysen sollte der Franchisegeber vorab erstellen lassen ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Darf ich wieder fragen: Sie als Franchisegeber wollen ins Ausland expandieren? Von den Amerikanern weiß ich, dass diese meist überhaupt keine Analysen im Vorfeld machen und dies alles dem zukünftigen Master Franchisenehmer überlassen. Macht auch Sinn, denn oft weiß man nicht wie lange man braucht, um den passenden Partner zu finden und nach Jahren sind die Analysen veraltet. Wir Deutschen sind hier zu bürokratisch und übergenau. Wir sollten vielleicht von den Amerikanern lernen und etwas mehr aus dem Bauch heraus entscheiden. Ob dies aber in jedem Fall der richtige Weg ist, muss die Einzelsituation ergeben.

Leser:Es ginge in der Tat darum, eine Firma, in diesem Fall eine Sprachenschule vor Ort zu eröffnen. Wir arbeiten mit vielen internationalen Firmenkunden zusammen, die wir bereits in Deutschland betreuen. Der Unterricht würde z.B. in Stockholm durchgeführt und von Deutschland (der Zentrale) aus berechnet. Ist das möglich? Leider gibt es wenige Steuerberater, die länderübergreifend arbeiten und sich mit beiden Rechtslagen auskennen.

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Aus meiner Sicht eher nein. Wir wissen aus dem Beispiel Österreich, dass es immer auf den Ort der Leistungserbringung ankommt. Wenn Sie also die Schulung in Stockholm durchführen, so müssen Sie auch nach schwedischem Recht die Mehrwertsteuer berechnen. Eine weitere Frage stellt sich aber, wenn Sie eine Niederlassung in Schweden haben. Dies muss ein Steuerberater aber sicher wissen. Vielleicht noch ein Tipp für Sie. Ich hatte einmal eine Anfrage aus Südostasien, die händeringend nach einer Sprachenschule suchen, da diese Länder sich immer mehr nach Europa orientieren und dort eine große Nachfrage nach dem Erlernen europäischer Sprachen besteht.

Leser:Wie ist die Vorgehensweise und Kostensituation bei Einschaltung eines Personalberaters für die Master-Suche? Sind die Honorare erfolgsabhängig ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Dies ist sehr unterschiedlich. Die Amerikaner arbeiten nur honorabhängig. In Europa, vor allem auch in Deutschland wird meist ein Fixhonorar plus Erfolgshonorar angeboten. Ich persönlich würde nur auf Erfolgsbasis mit jemanden arbeiten, aber man muss oft lange suchen.

Leser:Wie sind im Franchising die Erfahrungen mit Joint-Ventures anstelle der Vergabe von Master-Lizenzen ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Joint Venture machen Sie ja meist mit einer anderen Firma im Ausland. Davon würde ich abraten aus den bereits oben genannten Gründen. Wenn Sie allerdings ein Joint Venture mit Ihrem zukünftigen Master eingehen wollen, so kommt es sehr stark auf die Person des Partners an. Auf der anderen Seite haben Sie einen gewissen Einfluss auf das Geschäft in diesem Land. Die meisten Ausländer, die einen Master suchen, gehen kein Joint Venture ein, sondern erwarten, dass der zukünftige Master ein eigenständiger Unternehmer bleibt. Dies ist ja auch der Urgedanke des Franchising. Sie gehen ja auch kein Joint Venture mit Ihren Franchisenehmern in Deutschland ein, oder?

Leser:Auf welche Kriterien wird bei der Auswahl eines Master besonders geachtet ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Hierzu habe ich eine lange Ausführung für das neue Buch 'Das Franchise System' erarbeitet. Die wichtigsten Kriterien für den zukünftigen Master Partner sind: - Unternehmerische Erfahrung - Erfahrung in der jeweiligen Branche sind von Vorteil - Sprachkenntnis (der Ausländer sollte eine wenig Deutsch sprechen oder Sie sind der anderen Sprache absolut mächtig) - Finanzielle Grundlage (und das ist der kritischste Punkt - wir reden hier nämlich oft über 500.000 Euro und mehr)

Leser:Als potentieller Master kann man doch keine kostspieligen Feasability Studies in Auftrag geben, um dann festzustellen, dass das System im Inland nicht funktionieren kann. Sollte dies nicht vom Franchisegeber getragen werden ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Sollte ja, wird aber meist nicht gemacht. Es muss ja auch nicht unbedingt eine wissenschaftliche Untersuchung sein. Wenn Sie sich ein System ansehen, wie es im Ausland funktioniert, dann können Sie mit Hilfe eigener Branchenexperten hier auch eigene Recherchen anstellen. Ich verstehe Sie ja, aber die Erfahrung zeigt, dass Sie darauf nicht bauen dürfen.

Leser:Wie lässt sich die Angemessenheit der zum Teil horrenden Mastergebühren amerikanischer Systeme beurteilen?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Zu diesem Thema kann ich Ihnen nur sagen, es sind zwar oft horrende Forderungen, aber die müssen Sie ja nicht oder mindestens nicht sofort bezahlen, wenn Sie geschickt verhandeln. Ich weiss, die Amerikaner fordern erst einmal und erwarten, dass man mit Ihnen verhandelt. Ich würde niemals eine Masterlizenz mit 300.000 bis zu 1 Mio. US-$ bezahlen. Es gibt andere Mittel und Wege. Wichtig bei den Verhandlungen ist es, eine gewisse Begehrtheit zu wecken. Jeder internationale Franchisegeber will gerne nach Deutschland, wir sind ein attraktiver Markt. Wenn Sie sich genau als der ideale Partner darstellen, dann wird man einen Weg finden, die für Sie noch horrend klingenden Mastergebühren zu reduzieren. Wenn es im Einzelfall Fragen gibt, kontaktieren Sie mich, denn ich habe genau die gleichen Erfahrungen gemacht.

Leser:Ich arbeite in einer Franchise-Zentrale. Sind wir nicht aufgrund fehlender Marktkenntnisse einem ausländischen Partner ausgeliefert ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Nicht unbedingt. Wenn Sie ein gutes und durchgreifendes Checkingsystem haben und klare Richtlinien bzw. Systemstandards, die es einzuhalten gilt, dann funktioniert es. Im Übrigen sollten Sie Ihrem ausländischen Partner auch einen gewissen Freiraum gewähren.

Leser:Eine Zusammenarbeit mit Südostasien wäre sicherlich interessant. Ist diese Anfrage noch aktuell? Könnten Sie mir vielleicht eine Kontaktperson nennen?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Sie haben Glück. Es geht nichts verloren. Zufällig habe ich hier die Visitenkarte. Es war der Chairman der Philippine Franchise Association 'Mr. Samie Lim' An ihn können Sie sich wenden und sich auch gerne auf mich beziehen. e-Mail Adresse: pfa@nwave.net. Ich wünsche viel Erfolg.

Leser:Wie sichern wir unser Know-how gegenüber ausländischen Partnern ab ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Mit einem gut durchdachten Mastervertrag. Es gibt hierfür einige Experten in Deutschland, an die Sie sich wenden sollten. Als Gerichtsstand sollten Sie Deutschland wählen. Sie können auch noch einen ausländischen Juristen hinzuziehen, der unbedingt notwendig ist, wenn man den lokalen Franchisevertrag entwerfen lässt. Dies müssen Sie unbedingt in Ihren Händen behalten. Es ist natürlich auch eine Frage, in welche Länder Sie expandieren wollen. Innerhalb der EU ist es leicht, nur England hat ein anderes Rechtssystem (ähnlich dem der USA). Wenn Sie aber ausserhalb von Europa expandieren wollen, dann sind lokale Franchiseanwälte notwendig.

Leser:Sollte bei der internationalen Expansion nach Möglichkeit eine erfahrene Beratungsgesellschaft eingeschaltet werden ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Das kommt auf Ihr eigenes Know-how an und auf Ihre Erfahrungen mit dem jeweiligen Land. Wenn Sie das betreffende Land, in das Sie expandieren wollen, gut kennen, dann können Sie es alleine schaffen. Wenn Sie aber fremdes Terrain betreten, wäre ein örtlicher Berater sicher von Vorteil. Eine Ausweitung nach Österreich und in die Schweiz kann man alleine schaffen, nach Frankreich oder auch Spanien würde ich mich alleine nicht trauen, denn hier muss man sich sehr stark in die Mentalität dieser Menschen hineindenken - aber als Geschäftsmann und nicht als Tourist.

Leser:In welchen Schritten sollten wir die Internationalisierung unseres Systems vorbereiten und durchführen ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Konzentrieren Sie sich zuerst auf ein Land - zum Beispiel Österreich. Suchen Sie eventuell einen Berater vor Ort - hier im Franchiseportal sind ja einige aufgeführt. Dann sollten Sie eine Anwalt vor Ort suchen, der sich mit der örtlichen Franchiseszene auskennt. Weiterhin sollten Sie mit dem Geschäftsführer des örtlichen Franchiseverbands einmal sprechen und vor allem eigene Marktrecherchen anstellen. Hierbei hilft wieder die Auslandsvertretung des DIHT bzw. der IHK. Stellen Sie sich auch die Fragen: Hat mein System vor Ort eine Chance? Gibt es solche Produkte oder Dienstleistungen vor Ort - wer ist meine zukünfige Konkurrenz? Brauchen die Menschen in diesem Land meine Dienstleistung oder mein Produkt überhaupt und vieles mehr.

Leser:Wie sehen Sie die Chancen für die Vergabe von Master-Lizenzen in Osteuropa ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Hier bin ich ein wenig voreingenommen. Ich würde niemals raten ein System nach Osteuropa auszuweiten, wenn es nicht in anderen europäischen Ländern schon erfolgreich arbeitet. Auch McDonald's hatte in diesen Ländern am Anfang enorme Schwierigkeiten. Es ist ein Problem die richtigen Leute zu finden, dann gibt es Schwierigkeiten mit den Gesetzen, mit der Zahlungsmoral und vieles mehr. Ich empfehle, wenn man expandieren will, dann erst den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen. Auf keinen Fall würde ich Osteuropa als meine erste Wahl ansehen.

Leser:Herzlichen Dank! Haben Sie zufälligerweise noch weitere Kontakte zu Interessenten, die eine Franchise für diesen Sektor aufbauen möchten? Persönliche Empfehlungen sind natürlich sehr viel besser, als anonyme Anzeigen!

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Ja ich habe auch einen Kontakt in Malaysia. Leider muss ich da erst suchen. Aber eine Firma in Kuala Lumpur kauft Master Lizenzen und vergibt diese an lokale Betreiber. Diese Firma wird zu 90 % vom Staat subventioniert und ist sehr integer. Die Zusammenarbeit mit diesem Teil der Welt ist aber nicht ganz leicht. Schicken Sie mir ein e-Mail mit Ihrer Adresse und ich werde die Firma für Sie heraussuchen.

Leser:Gibt es noch nicht - wie im New Business - Inkubatoren, um mittels Outsourcing ein Franchisesystem im Ausland aufzubauen und es später direkt zu führen?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Ist mir so nicht bekannt. Ich kann nur empfehlen, den konservativen Weg einzuschlagen. Partnersuche vor Ort und dieser soll das Geschäft vor Ort aufbauen. Grundsätzlich können Sie sich im Mastervertrag ja ein Rückkaufrecht einbauen. Nach einer gewissen Zeit dürfen Sie dann das Geschäft gegen entsprechende Entschädigung zurückkaufen.

Leser:Konnten Sie bei der Übernahme Ihrer Masterlizenz die Uniglobe-Systemhandbücher einfach übersetzen oder mussten Sie umfangreiche Anpassungen vornehmen?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Mit den Übersetzungen war das eine wichtige Erfahrung. Zuerst wollte ich sie von einem Dolmetscher übersetzen lassen. Dann hatten wir aber mit der Korrektur mehr Arbeit als hätten wir es selber gemacht. Daraufhin habe ich mich mit meinem Schulungsdirektor selber hingesetzt und alle übersetzt und gleichzeitig auch angepasst. Eine wörtliche Übersetzung funktioniert nie - Sie müssen den Sinn des Inhalts mit eigenen Worten wiedergeben. Daher ist Branchenerfahrung von Vorteil. Wir haben inzwischen 25 englische Handbücher ins Deutsche übersetzt und wissen, wovon wir sprechen.

Leser:Kommt es vor, dass Ihr kanadischer Franchisegeber wenig Verständnis für die hiesigen Marktbedingungen aufbringt und wie lassen sich solche Differenzen lösen ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Er bringt schon Verständnis auf, nur versteht er oft unsere Marktbedingungen nicht. Amerikaner haben Probleme zu aktzeptieren, dass es auch andere Länder mit eigenständiger Geschäftkultur ausserhalb der USA gibt. In meinem Fall habe ich Jahre gebraucht, um gewisse Marktgegebenheiten zu erklären. Was der Amerikaner nicht kennt, dass versucht er auch nicht zu verstehen. Hier hilft nur Geduld. Steter Tropfen höhlt den Stein. In meinem Fall habe ich bisher alles erreicht, aber es hat oft Jahre gedauert.

Leser:Gibt es Muster-Verträge oder Standardklauseln für Master-Vereinbarungen?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Eigentlich nein oder ich kenne keine. Hier kann Ihnen aber ein guter Franchise-Anwalt helfen. Mir wurde der Mastervertrag aus Kanada vorgelegt, ich haben ihn von einem Anwalt in München übersetzen lassen und dann über Anpassungen mit Uniglobe so lange verhandelt, bis beide Partner zufrieden waren. Seitdem - und dies sind nun 7 Jahre - habe ich nie mehr in den Vertrag gesehen und hatte auch keinerlei Auseinandersetzungen, für die der Vertrag herangezogen werden musste.

Leser:Was für Literatur können Sie zum Thema 'Master-Franchising' empfehlen? Gibt es entsprechende Seminare?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Seminare gibt es schon, ich habe aber keinen Termin griffbereit. In London gab es vor 2 Jahren sogar einmal eine internationale Masterkonferenz. Empfehlen kann ich den Besuch der entsprechenden Websites oder bestellen Sie sich das Magazin 'Franchise International' Kontakt über die e-mail Adresse: enquiries@fdsltd.com oder über deren Website www.fdsltd.com . Neu ist das Magazin 'International Franchising' - zu beziehen über ssehti@IntlFranchising.com.

Leser:Welche Vorgehensweise hat sich bei der Ausbildung ausländischer Partner bewährt ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Meine eigene Ausbildung habe ich jeweils in Kanada absolviert. Ich empfehle, ausländische Partner dementsprechend auch im eigenen Land auszubilden. Das Sprachproblem muss jeweils gelöst werden. In der eigenen Zentrale liegen alle Unterlagen vor und man kann hier auf die eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Auch kann man hier besser die erfolgreichen Beispiele demonstrieren.

Leser:Ist es üblich, Franchise-Verträge, Korrespondez u.ä. immer in Englisch zu verfassen, oder ist eine Übersetzung in die jeweilige Landessprache notwendig?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Ich würde mich auf eine einheitliche Sprache einigen. Am besten ist für ein deutsches System natürlich die Wahl unserer eigenen Sprache. Die zweite und häufigere Alternative wird wohl Englisch sein. Auf keinen Fall würde ich Ihnen raten, irgendwelche Unterlagen selber in die jeweilige Landesprache zu übersetzen, denn dann sind Sie für den Inhalt auch verantwortlich. Die Übersetzung von Verträgen und Unterlagen in die jeweilige Landessprache muss in der Verantwortung des örtlichen Partners verbleiben.

Leser:Inwieweit könnte das Internet die internationale Partnersuche künftig erleichtern ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Das Internet erleichtert auch heute schon die Partnersuche enorm. Suchen Sie einmal nach dem Begriff 'Franchise international' in einer Suchmaschine und Sie erhalten tausende von Verbindungen. Ich habe einmal die wichtigsten zusammengefasst: www.franchiseinfomall.com, www.franchisesolutions.com, www.franchiseintl.com, www.bison1.com, www.bizbuysell.com, www.businessforsale.com, www.franchisedirect.co.uk, www.franchise.com, www.franchiseopportunities.com und so weiter. (ich hoffe, ich habe alles richtig geschrieben - probieren Sie es aus)

Leser:Welches sind die wichtigsten Kostenfaktoren im Rahmen der Internationalisierung ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Der größte Faktor am Anfang liegt sicher darin, den richtigen Partner zu finden. Kosten für Anzeigen, Berater usw. Der nächste Faktor werden wohl die Rechtskosten sein. Wenn Sie eine lokale Marktstudie anfertigen lassen, dann geht das ebenfalls ins Geld. Die Reisekosten sind nicht zu unterschätzen, ausser Sie arbeiten mit Uniglobe Travel zusammen. (Ein wenig Eigenwerbung muss schon sein!) Zu überlegen ist die Investition in ein Pilotprojekt vor Ort.

Leser:Wenn man Deutschland, München als "Gerichtsstand" wählt, ist dann das deutsche Recht auch für Franchisepartner im Ausland anwendbar? bei dieser Gelegenheit möchte ich mich für die umfassenden Informationen bedanken! m.v.

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Wenn Gerichtsstand München vereinbart wird, dann gilt für den ausländischen Masterpartner auch deutsches Recht - ganz klar. Die zukünftigen Franchisenehmer vor Ort schließen dann aber einen Vertrag nach örtlichem Recht mit dem Master ab. Ich freue mich, wenn ich Ihnen einige Anregungen geben konnte und wünsche viel Erfolg.

Leser:Mit welchen Institutionen und Orgaisationen sollte man vor dem Markteintritt Kontakt aufnehmen ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Das hängt von Ihrer Branche ab. Ein Weg, der immer zutrifft, ist der Kontakt zum örtlichen Franchiseverband. Wie Sie den finden, habe ich oben schon genannt. Weiterhin sollten Sie die Handelskammer des Landes aufsuchen. Ein Tipp: Die meisten Länder haben auch in Detuschland eine Vertretung der Handelskammer. Ein guter Kontakt ist der DIHT - der deutsche Industrie und Handelstag hat fast in allen wichtigen Ländern eine eigene Vertretung, die Ihnen sehr viel Unterstützung bietet.

Leser:Gibt es nicht irgendwo eine Übersicht von Unternehmen oder Investoren, die sich für die Übernahme von Masterlizenzen interessieren ?

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Suchen Sie im Internet - ich habe oben einige Adressen aufgezeigt. Dort gibt es zum Beispiel Seiten, die sich mit dem Kauf und Verkauf von Unternehmen beschäftigen.

Rolf Gerhard KirstHerr Rolf Gerhard Kirst:Wir sind nun am Ende unserer Sitzung angekommen und ich freue mich über die rege Kommunikation. Hoffentlich konnte ich einige wertvolle Anregungen geben und wünsche allen Chattern und Lesern des Protokolls viel Erfolg im Ausland oder mit einem ausländischen Partner hier in Deutschland. Mit den besten Grüssen - Ihr Rolf Gerhard Kirst

Glossar