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Chancen und Risiken einer Masterlizenz

Rolf Gerhard Kirst: Guten Morgen, liebe Franchisekollegen. Ich freue mich heute über das Thema Masterfranchise mit Ihnen zu chatten. Der Untertitel lautet Chancen und Risiken bei der Übernahme einer Masterlizenz. Vielleicht darf ich noch erwähnen, dass ich aus Erfahrung spreche. Denn ich war selber 12 Jahre Master von Uniglobe Travel, einem System aus Kanada und ich helfe im Augenblick mehreren internationalen Franchisesystemen beim Markteintritt in Deutschland. Nun kann es aber losgehen und ich freue mich auf Ihre Fragen.

Leser: Guten Morgen, Herr Kirst: Wie schätzen Sie die besonderen Chancen und Risiken beim Kauf einer Master-Franchise-Lizenz ein?

Rolf Gerhard Kirst: Das Angebot an internationalen Masterlizenzen für den deutschen Markt ist groß. Interessenten sollten aber vorsichtig sein, denn nicht alles was glänzt - ist auch glänzend in Detuschland. Das heißt, ein erfolgreiches System in USA muss noch lange nicht auch für unseren Markt geeignet sein.

Leser: Hallo Herr Kirst: An welche Zielgruppe wenden Sie sich mit der Master-Franchise-Konferenz auf der START in Essen?

Rolf Gerhard Kirst: Die Zielgruppe sind Interessenten, die sich als Franchisegeber mit einer Masterlizenz selbständig machen wollen, aber auch Firmen, die eine derartige Lizenz übernehmen wollen.

Leser: Welche Erfolge können Sie mit dem von Ihnen gegründeten "Franchise Pool International" vorweisen?

Rolf Gerhard Kirst: Wir haben zwei Richtungen, in denen wir aktiv sind. Outgoing: wir bringen deutsche Franchisesysteme ins Ausland und finden dort einen passenden Partner. So gerade geschehen für BabyOne in China. Insgesamt haben wir für etwa 15 Systeme einen Partner gefunden. Im Bereich Incoming haben wir erst im letzten Jahr begonnen und konnten bisher 3 Masterpartner in Deutschland finden.

Leser: Werden für inländische Master-Lizenzen vorwiegend Investoren oder qualifizierte Manager gesucht?

Rolf Gerhard Kirst: Wir suchen eher den 'Macher', der aber über entsprechendes Kapital verfügen muss. Wir sprechen hier von einer Gesamtinvestition von 500.000 Euro +.

Leser: Werden für inländische Master-Lizenzen vorwiegend Investoren oder qualifizierte Manager gesucht?

Rolf Gerhard Kirst: Diese Frage wurde gerade beantwortet. Ich kann gerne noch weiter ausholen und detailierter werden?

Leser: Pardon, ich habe zweimal auf den Knopf gedrückt. Es wäre nett von Ihnen, wenn Sie meine Fragen etwas detaillierter beantworten könnten.

Rolf Gerhard Kirst: Als Master sollte man folgende Qualifikation erfüllen: Führungserfahrung (Umgang mit Menschen), Kaufmännische Betriebsführung, Kapital, Erfahrung in der jeweiligen Sparte benötigen Sie nur in der Gastronomie ,aber ansonsten sollte der Franchisegeber alle nötige Hilfestellung leisten, um Ihnen den Start in das Geschäft so leicht wie möglich zu machen.

Leser: Einen schönen guten Morgen Herr Kirst. Bei der Analyse unseres ausländischen Potentials müssen wir den Markt sinnvoll abgrenzen, was uns einige Schwierigkeiten bereitet. Dies liegt insbesondere an vielfältigen Substitutionsmöglichkeiten. Welche Form der Abgrenzung (Produkt, Bedürfnis, Nachfrage, Raum, Zeit, Preis etc.) hat sich nach Ihrer Erfahrung aus Franchisegeber-Sicht besonders bewährt?

Rolf Gerhard Kirst: Ich gehe davon aus, Sie sind ein deutsches System und wollen ins Ausland. Der beste Weg ist einmal die Zusammenarbeit mit einem lokalen Franchisexperten in dem jeweiligen Land, in das Sie expandieren wollen. Und dann empfehle ich eine Marktanalyse in Auftrag zu geben. Persönliche Einschätzung des ausländischen Marktes durch eigene Besuche ist sicherlich auch wichtig.

Leser: Können Sie mir einige Beispiele aus Deutschland oder Österreich nennen, die den Erfolg des von Ihnen unterstützten Master-Franchising als Expansionsweg belegen?

Rolf Gerhard Kirst: Meinen Sie jetzt deutsche Systeme, die ins Ausland gehen wollen oder Beispiele ausländischer Systeme, die nach Deutschland kommen?

Leser: Ich meine ausländische Systeme, die nach Deutschland oder Österreich kommen.

Rolf Gerhard Kirst: Ein Beispiel ist Aussie Pet Mobile, ein System aus Australien mit jetzigem Headquarterin USA. Es handelt sich um einen mobilen Hundesalon. Zuerst eine abgefahrene Idee, aber jetzt hat der Master es geschafft, in Deutschland Fuß zu fassen und wird bei der START mit der Suche nach Franchisenehmern beginnen. Sie können dort mit ihm sprechen. Dies ist ein erfolgreiches Beispiel.

Leser: Welche nationalen Anpassungen des Systemkonzeptes müssen im Rahmen Master-Franchise-Lizenz besonders geprüft werden?

Rolf Gerhard Kirst: Wichtig ist dabei folgender Punkt. Ein zukünftiger Master muss ja in seinem Land selber Franchisegeber werden. Den Partner darauf vorzubereiten ist eine der wichtigsten Aufgaben des Franchisegebers im Ursprungsland. Die nationalen Anpassungen in bezug auf Erfüllung der Rechtsvorschriften, Anpassung an Geschäftspraktiken im Land etc. sind dann Aufgabe des Masters. Der Franchisegeber im Ursprungsland übergibt sein System so, wie es im eigenen Land erfolgreich ist.

Leser: In welchen Fällen ist die Expansion mittels Area Development dem Master-Franchising vorzuziehen?

Rolf Gerhard Kirst: Das liegt meist an der Größe des Landes. In Ländern wie Deutschland oder Frankreich wählen manche Systeme den Weg des Area Developer und splitten das Land in 5-6 Gebiete. Ob das immer sinnvoll ist, ist noch nicht so richtig geklärt. Es mag für manche Systeme passen, aber ich habe auch schon oft über negative Erfahrungen gehört.

Leser: Könnte die Aufsplittung der von Ihnen Gebiete nicht auch im Rahmen des Master-Franchising erfolgen? Ich sehe noch nicht die Vorteile des Area Developments, außer will die Gebiete anschließend an Master verkaufen.

Rolf Gerhard Kirst: Ich pflichte Ihnen bei - auch ich sehe wenig Vorteile bei Area Developer. Sinn macht es folgendermaßen. Ein Master übernimmt die Lizenz für Deutschland und vergibt Untergebiete an Area Developer, die selber einen Betrieb haben und dann weitere Franchisenehmer finden und betreuen. Das hängt aber sehr vom System ab.

Leser: Bei der Beendigung des Area Development gehen doch wertvolle Erfahrungen aus der Aufbauarbeit verloren. Aus meiner Sicht spricht besonders dieser Gesichtspunkt stark dafür, dass der Master den Aufbau selbst in Angriff nimmt.

Rolf Gerhard Kirst: Wenn Sie Master sind, dann fungiert der Area Developer erst mal wie ein normaler Franchisenehmer. Wenn er seinen Betrieb erfolgreich führt, dann sucht er in seinem 'Area' weitere Franchisenehmer, denen er dann sein erworbenes Know how vermittelt und diese Franchisenehmer betreut. Somit geht kein Know-how verloren, wenn der Master die übergeordnete Führung behält.

Leser: Ich lese diese Diskussion mit Interesse, doch erinnert mich Master-Franchising aufgrund der Mehrstufigkeit und der Gebührenteilung schon immer an fragwürdige Strukturvertriebe. Warum bevorzugen Sie dieses Modell für die Internationalisierung?

Rolf Gerhard Kirst: Ich möchte mich ganz ernergisch dagegen sprechen, Franchising mit Strukturvertrieb zu vergleichen. Das Multi Level Marketing funktioniert doch immer nur so lange, wie neue Partner gefunden werden und der Gründer verdient viel Geld, aber den 'Letzten' beißen die Hunde. Im Franchising wird eine vertikale struktur aufgebaut, die beim Franchisenehmer endet. Ein Franchisesystem kann über Jahrzehnte erfolgreich arbeiten, ohne neue Franchisenehmer akquirieren zu müssen, siehe Mc.Donald's . Wir könnten natürlich über diesen Punkt stundelang diskutieren, dafür reicht aber die Zeit leider nicht.

Leser: Sie veranstalten eine Masterkonferenz in Essen. Was wird dort geboten und muss man sich anmelden?

Rolf Gerhard Kirst: Bei dieser Konferenz erläutern wir die Aufgaben eines Masters und den Weg zum erfolgreichen Franchisegeber. Experten wie Herr Hero als Anwalt, Herr Dr. Böhm als Franchiseberater von Syncon und Herr Aschenbrenner von Initiat sind Referenten auf der Konferenz. Und wir stellen internationale Systeme vor, die einen Master in Deutschland suchen. Es kommt ein Vertreter aus den USA, der einige neue Systeme vorstellt. Wer Interesse hat sollte sich unbedingt anmelden. Die Anmeldung finden Sie im Franchiseportal unter Masterfranchise.

Leser: Ich habe mich bisher nicht mit den Vor- und Nachteilen des Area Development beschäftigt. Ließe sich ein Area Developer denn dazu motivieren, während der Vertragslaufzeit nach einem geeigneten Master Ausschau zu halten ?

Rolf Gerhard Kirst: Nein, das ist umgekehrt. Erst kommt der Master und dann der Area Developer. Die vertikale Hierarchie ist folgendermaßen: 1. Der Franchisegeber im Ursprungsland, 2. Der Master Franchisenehmer, 3. Der Area Developer, 4. Der Franchisenehmer. Wobei meist der Area Developer ausgelassen wird.

Leser: Ich möchte Ihnen empfehlen, das Buch „Wave 4“ von Richard Poe zu lesen. Daraus geht hervor, dass in modernen Network Marketing Systemen die Zahl der Stufen auf zwei oder drei beschränkt wird. Nach meiner Überzeugung werden Franchising und das dynamische Network Marketing in den nächsten Jahren zusammenwachsen.

Rolf Gerhard Kirst: Das glaube ich nicht. Gerne übersende ich Ihnen den Codee of Ethics, der vom Europäischen Franchiseverband herausgegeben wird und dem alle Franchisesysteme unterliegen. Wenn Sie dies mit Strukturvertrieb vergleichen, werden Sie sehr schnell die Unterschiede herausfinden.

Leser: Wie schätzen Sie den Zeitrahmen ein, bis die Internationalisierung des Franchising richtig in Gang kommt?

Rolf Gerhard Kirst: Es kommt ganz darauf an, wie weit Ihr System schon dem internationalen Standard entspricht und inwieweit der Bedarf für die Dienstleistung oder Waren Ihres Systems gegeben sind. Allgemein benötigen Sie sicher 1 Jahr, um Ihr System den internationalen Bedürfnissen anzupassen und sich auf diese Märkte vorzubereiten, sofern Sie den richtigen Berater haben.

Leser: Welche Länder werden von der Internationalisierung des Franchising besonders profitieren?

Rolf Gerhard Kirst: Das Franchising ist im Augenblick fest verankert in West-Europa, Amerika, Australien und in Teilen Asiens. Länder, die stark vom Franchising profitieren, sind im Augenblick China und andere Länder in Südost-Asien sowie Osteuropa.

Leser: Könnten Master-Lizenzen auch im Land des Franchise-Gebers sinnvoll sein, wenn einzelne Regionen in der Entwicklung hinterher hinken?

Rolf Gerhard Kirst: Ich kenne ein System in den USA, das Masterlizenzen für US Regionen vergibt. Ich würde dies aber mehr als Area Developer bezeichnen. Das ist aber Ansichtssache. Wir haben ja auch in Deutschland ein internationales Sysem, die keinen Master in Deutschland haben, dafür aber 7 oder 8 Area Developer. Ob das erfolgreich sein wird, bezweifle ich, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Leser: Wie stark sollte das Standbein des Franchise-Gebers im Heimatmarkt sein, um die Internationalisierung erfolgreich einzuleiten?

Rolf Gerhard Kirst: Das ist eine sehr gute Frage. Denn viel zu oft kommen Systeme zu mir, die gerade mal zwei eigene Betriebe und einen Franchisenehmer im Heimatmarkt haben, aber schon ins Ausland expandieren wollen. Um im Ausland erfolgreich zu sein, müssen Sie schon den eigenen Erfolg im Heimatland vorzeigen können. Das heißt, das System sollte professionell aufgestellt sein, Mitglied im Verband sein und den System Check erlangt haben. Dann kann man an Expansion denken.

Leser: Wenn wir eine Masterlizenz suchen, aus welchen Ländern kommen die besten Ideen?

Rolf Gerhard Kirst: USA ist das Heimatland des Franchising. Von dort kommen viele interessante Ideen, aber auch Australien hat gute Systeme und nicht zu vergessen - unsere europäischen Nachbarn. Ich habe auch schon attraktive Angebote aus China gesehen, die es wert wären, nach Deutschland gebracht zu werden.

Leser: Warum halten Sie die Verbandsmitgliedschaft für wichtig, um im Ausland Fuß zu fassen? Ich sehe die Hauptaufgabe der Verbände in der Öffentlichkeitsarbeit und im politischen Lobbying.

Rolf Gerhard Kirst: Die Verbandsmitgliedschaft ist bei der Internationalisierung ein Imagegewinn, denn nur seriöse Systeme werden aufgenommen. Wenn Sie einem ausländischen Interessenten vorzeigen können, dass Sie ein geprüftes System im Heimatland sind, dann hebt es Ihre Glaubwürdigkeit und verbessert Ihre Chancen, einen guten Partner zu finden. Sie sollten sich einmal mit dem DFV beschäftigen, denn es gibt weit mehr als Lobbyarbeit und PR von der Sie als Franchisegeber profitieren können.

Leser: Müssen sich die Franchise-Geber vorab um Marktanalysen und Konzeptanpassung kümmern oder können sie diese Aufgaben getrost dem Käufer der Master-Lizenz überlassen ?

Rolf Gerhard Kirst: Eine Marktanalyse hilft bei der Akquisition eines guten Partners. Ich sehe dies genauso in Deutschland. Die ersten Fragen eines potentiellen Interessenten sind immer: "Glauben Sie, das System funktioniert auch bei uns? Gibt es dafür einen Markt hier?" Wenn Sie es dem Interessenten allein überlassen, sich mit dem Markt zu befassen, wird er sich vielleicht schnell abwenden. Wenn Sie aber vorzeigen können, dass es für Ihr System einen lukrativen Markt im Land des Bewerbers gibt, lässt er sich leichter überzeugen.

Leser: Auf welche Weise werden Master von der Systemzentrale auf ihre künftigen Aufgaben vorbereitet? Beschränkt es sich auf Schulungen oder finden Hospitationen in Franchise-Betrieben statt?

Rolf Gerhard Kirst: Dies ist ein sehr gute Frage, die man genau prüfen sollte, bevor man sich bindet. Aus meiner eigenen Erfahrung hat die Einführung in die Aufgabe eines Franchisegebers (als Master) bei Uniglobe ein halbes Jahr gedauert. Ich war bei vielen Schulungen im Headoffice, weiterhin hatte ich Gelegenheit, in anderen Master-Regionen mitzuarbeiten. Während des Aufbaus des Systems in Deutschland kammen mehrmals Mitarbeiter aus der Zentrale zu uns und haben mit uns gemeinsam am Aufbau gearbeitet. Dies ist der richtige Weg und nur so funktioniert es. Leider wird dieser Weg aber nicht von allen Systemen angeboten. deshalb sollte man Vorsicht walten lassen bei der Auswahl.

Leser: Wie ist die konkrete Vorgehensweise beim Erwerb einer Master-Franchise-Lizenz aus dem Ausland?

Rolf Gerhard Kirst: Dies sind die Stufen, die ich empfehle: 1. Allgemeine Information über das System via Internet 2. Gespräch mit einem Vertreter des Systems oder einem Broker/Berater, der das System im Land vertritt. 3. Übersendung von Unterlagen über das System und ausführliches Studium. 4. Direkte Fragen an den Vertreter des Systems oder den Berater 5. Bei Interesse unbedingt ein Besuch im Headoffice und bei einigen Franchisenehmern, wenn möglich auch bei einem anderen Master. 6. Überprüfen der Zahlenwerke und des Vertrages mit Experten ... und dann wenn alle Fragen geklärt sind und beide Parteien überzeugt sind, in die Partnerschaft einzusteigen, wird ein Vertrag unterzeichnet.

Leser: Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Franchise-Gebern und dem Franchise-Master sinnvoll zu regeln?

Rolf Gerhard Kirst: Der Franchisegeber hat die Aufgabe das Know-how seines Systems zu übermitteln und zweitens dem Master zu helfen, sich als Franchisegber im eigenen Land zu etablieren. Der Master hat die Aufgabe, das vorgegebene System dem lokalen Markt anzupassen, Franchisenehmer zu finden, diese aufzubauen und erfolgreich zu machen.

Leser: Werden die vom Master zu zahlenden Gebühren regelmäßig angepasst? Welche Bezugsgröße bietet sich dabei an? Was ist zu tun, wenn sich der Master-Partner irgendwann quer stellt?

Rolf Gerhard Kirst: Die Gebühren sollten im Vertrag klar geregelt werden, dann kann sich niemand quer stellen. Eine Anpassung ist üblich, sollte aber der Erhöhung des allgemeinen Kostenindex entsprechen. Ein willkürliche Erhöhung sollte ausgeschlossen sein.

Leser: Gibt es in Deutschland Anwälte, die sich auf internationale Franchise-Verträge - mit Schwerpunkt Master-Franchise-Lizenzen - spezialisiert haben?

Rolf Gerhard Kirst: Ja, einige. Ich möchte Ihnen nicht gerne einen bestimmten Namen nennen, aber ich war drei Jahre Leiter des Rechtsausschusses im DFV und habe dabei einige sehr kompetente Franchiseanwälte kennen und schätzen gelernt. Es gibt einige, die sehr gut im internationalen Franchise zu Hause sind. Als Sprache wird einheitlich Englisch gewählt.

Leser: Gibt es erfolgreiche Beispiele für nebeneinander bestehende Franchise-Betriebe und Eigenbetriebe eines ausländischen Master-Franchisenehmers?

Rolf Gerhard Kirst: In der Regel sollte der Franchisegeber aus dem Ausland keinen eigenen Betrieb im Lande betreiben, wenn er eine Masterlizenz vergibt. Haben Sie eine derartige Anfrage oder Erfahrung? Die Masterlizenz beinhaltet eine Exklusivität für das jeweilige Land, dafür bezahlt man ja auch eine hohe Eintrittsgebühr.

Leser: Sie hatten gesagt, Systeme aus Europa suchen auch Master in Deutschland. Wokann ich mehr darüber erfahren?

Rolf Gerhard Kirst: Sie können sich im Internet zum Beispiel im Franchiseportal informieren oder ich empfehle unsere Masterkonferenz am 14.9. in Essen, wo wir ebenfalls über Möglichkeiten aus Europa sprechen. Unser Partner aus Italien und Holland werden anwesend sein und über Systeme aus ihren Ländern sprechen.

Leser: Schwäche des Master-Franchising ist aus meiner Sicht, dass sich der Franchise-Geber i.d.R. nicht selbst engagiert. Mit dem Verkauf der Master-Lizenz hat er sein Hauptziel meist erreicht. Es wäre eigentlich wünschenswert, dass sich der Franchise-Geber zwei bis drei Jahre am ausländischen Pilotbetrieb beteiligt und den potentiellen Master dabei testet. Was halten Sie von dieser Alternative?

Rolf Gerhard Kirst: Wenn Sie einen guten Franchisegeber finden, so ist dessen Aufgabe die Innovation und die Weiterentwicklung des Systems. Eine Beteiligung ist sicher nicht schlecht, wird aber in den meisten Fällen abgelehnt. In Regel sollten Sie als Master aber auf eigenen Beinen stehen. Stellen Sie sich vor, Ihr zukünftiger Franchisenehmer stellt die gleiche Frage und Sie als deutscher Master sollen sich in Zukunft bei jedem Franchisenehmer beteiligen und mit ihm das Risiko übernehmen??? Ich würde das niemals machen.

Leser: Wenn aber der ausländische Master neben einem Franchise-Netzwerk auch eigene Filialen - oder sogar nur eigene Filialen - aufbauen will?

Rolf Gerhard Kirst: Ehrliche Antwort - dann sollten Sie die Finger davon lassen. Der ausländische Franchisegeber hat vielleicht mehr Finanzkraft und sucht sich die Filetstücke heraus. Und was passiert, wenn diese Betriebe nicht gut laufen? Dann leiden auch Sie darunter und Sie haben es nicht im Griff. Das Risiko ist einfach zu groß und entspricht nicht dem Franchising. Entweder - oder !

Leser: Welche Franchise-Branchen waren in der jüngeren Vergangenheit in den USA besonders erfolgreich? Rechnen Sie mit Auswirkungen auf die Bundesrepublik?

Rolf Gerhard Kirst: Wenn Sie Branchen ansprechen, die in Amerika erfolgreich waren, dann sind es einmal alle mögliche Dienstleistungskonzepte und zweitens Systeme in der Gastronomie, gefolgt vom Handel. Wenn Sie aber fragen, welche US Systeme in Deutschland erfolgreich sind, dann sieht man meist nur Gastronomie - McDonald's und Co. Die Systeme aus dem Dienstleistungsbereich haben aber eine große Chance bei uns in Deutschland, was ich deutlich am Beispiel Aussie Pet Mobile, dem mobilen Hundesalon aus USA, sehe. Wenn Sie fragen, wo Sie Ausschau halten sollten, dann im Bereich der Dienstleister.

Leser: Welche Art von Franchise-Systemen werden in den arabischen Ländern besonders nachgefragt?

Rolf Gerhard Kirst: In Arabien ist ganz klar die Tendenz zu Handelskonzepten und Gastronomie. Dort laufen nur Systeme, die man in einer Shopping Mall platzieren kann. Arabien hat aber einen ganz besonderen Status, der zu erklären ist, denn dort kennt man zwar den Begriff Master-Franchising, meint aber Multi Unit Franchise.

Leser: Können Sie bitte eine Literaturempfehlung – auch englischsprachig – zur Vertiefung des Themas „Master-Franchise-Lizenzen“ aussprechen?

Rolf Gerhard Kirst: Das ist schwierig, denn ehrlich gesagt gibt es kein Buch über Master Franchising. Ich habe mich gerade in dieser Woche mit einem Autor unterhalten, der an einem solchen Buch arbeitet. Im Augenblick erfahren Sie über diese Thema nur von den klassischen Franchiseberatern, die sich auf "Internationales Franchising" spezialisiert haben.

Leser: Müssten wir die jeweilige Lebenskultur bei der Umsetzung unseres Gastronomiekonzeptes in arabischen Ländern berücksichtigen oder gilt ein westliches Angebot dort als exotisch?

Rolf Gerhard Kirst: Es kommt sehr stark auf das Konzept an. Grundsätzlich wird alles akzeptiert, was kein Schweinefleisch enthällt und wo man auf Alkohol verzichten kann. Dann ist es aber egal, ob exotisch oder rustikal. Ein gutes Beispiel aus Deutschland ist zum Beispiel Vapiano, für die ich einen Partner in Middle East gefunden habe. Dieses System ist trendy, Pizza und Pasta mag jeder und Alkohol ist nicht nötig. Wir sprechen aber auch mit asiatischen Konzepten oder ein klassisches deutsches System für Laugenbrezeln konnten wir in Saudi Arabien platzieren.

Leser: Ich nehme in letzter Minute an diesem Chat teil und hoffe, dass meine Frage noch nicht gestellt wurde: Kennen Sie ausländische Banken oder alternative Finanzierungsquellen, die unsere internationale Expansion unterstützen würden ? Wir suchen für die Expansion im In- und Ausland geeignete Finanzierungsalternativen.

Rolf Gerhard Kirst: Ich bin Unternehmer und halte mich nicht an Arbeitszeiten, wir könne gerne noch weiter chatten. Die Finanzierung im Ausland ist schwierig. Es ist bekannt, dass die Deutsche Bank eine eigene Franchiseabteilung hat. Dort würde ich mich an Ihrer Stelle als erstes hinwenden. Die Banken in UK und Irland sind sehr franchise-freundlich, dort werden Sie sicher auch Unterstützung erfahren. In anderen Ländern ist eher schwierig, kommt aber auf den Fall bzw das Land an. Wenn Sie weitere Fragen haben, nur zu...

Rolf Gerhard Kirst: Vielen Dank für Ihre rege Beteiligung. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Internationalisierung Ihrer Marke oder bei der Einführung eines neuen Franchisesystems in Deutschland. Vielleicht sehen wir uns auf unserer Master Konferenz am 14.9. in Essen oder auf der START Messe. Ihr Rolf G. Kirst

 Rolf Gerhard Kirst

Rolf Gerhard Kirst

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