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Ratgeber
für Franchise-Interessierte

Kolumne Folge 1: Mythen und Wahrheit des Franchising

Vorwort

Das Franchising scheint ein besonderer Raum für die Entwicklung von Mythen und sagenhaften Erfolgsgeschichten in unserer Wirtschaftslandschaft zu sein. Von ihren Playern wird eine nebulöse Legendenbildung zu einer eigenen Szene hochstilisiert, die gern den Eindruck einer elitären Wirtschaftsclique vermitteln will.


In einer Serie von kurzen Betrachtungen soll versucht werden, den Blick auf die tatsächlich gelebte Franchisepraxis zu werfen, bereinigt von dem gepflegten Gewese der Experten. Es sind persönliche Erfahrungsschilderungen aus über 25 Jahren intensiven Berufslebens mit und rund um das Franchising. Die langjährige Beratungstätigkeit hat mir sehr breite Einblicke in das Kooperationswesen und der deutschen Mentalität für die Zusammenarbeit ermöglicht. Abenteuerlichste Erfahrungen im guten wie im schlechten Sinne haben ein Bild geprägt, das nur aus dem persönlichen Blickwinkel beschrieben werden kann und dass nicht den Anspruch erhebt, der Weisheit letzter Schluss zu sein.


Anregungen, Erfahrungen und Gedanken aus der Leserschaft werden gern aufgenommen und in späteren Folgen weiterverarbeitet. Heute beginnen wir mit der ersten Folge:


Die „Franchisewirtschaft“
Es ist runde 40 Jahre her, da erwachte in Deutschland ein Interesse am Franchising als Weg in eine sichere Existenzgründung im Klein- oder Mittelstand. Gleichzeitig wurde das Franchising als Finanzierungsinstrument für eine rasche Expansion entdeckt. Allseits herrschte Bewunderung oder Verblüffung über die weltumspannenden Erfolge von Vorzeigeunternehmen wie McDonald's oder Coca-Cola. Nur leider wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand so recht, was das Franchising eigentlich ist und wie es funktioniert.


In den Folgejahren wurde viel Aufklärung betrieben überwiegend von Theoretikern. In der Praxis entstand ein kleiner Boom an Franchiseangeboten für Existenzgründer, die ihre Betriebe selber führen wollten aber wohl auch mussten. Die Funktionsweisen des neuen Franchising sind zweifellos sehr vielschichtig aber auch erfolgversprechend. Das Zauberwort in den frühen Jahren war "Synergie-Effekte". Der Umstand, dass keiner so recht wusste was das war, rief schnell einige selbsternannte Experten des Franchising auf die Bildfläche. Ein wichtiger neuer „Wachstumsträger“ braucht natürlich auch Plattformen. Ein Verband musste her. Die Experten riefen den Deutscher Franchiseverband e. V. ins Leben und obendrein eine Franchisefachmesse. Damit waren alle Zutaten beisammen: eine nicht transparente Rechts- und Funktionsform, nebulöse Erfolgsversprechen und eine eigene geschlossene Vermarktungsebene. Da haben wir sie, die neue glänzende Welt der „Franchisewirtschaft“.


Als ich vor rund 30 Jahren diese ersten Franchisemessen besuchte, öffnete sich in meiner Wahrnehmung eine Schere zwischen Anspruch und Realität. Durch meine damalige Beratungstätigkeit war ich Messebesuche wie beispielsweise die IGEDO oder die GDS gewohnt, die damals weltgrößten Bekleidungsmessen. Deutschlands größte Franchisemesse ist seit damals nie über zwei Hallen hinausgekommen. Das Wissen der Mitarbeiter an den Messeständen um das Franchising war erschreckend gering und ist es zuweilen bis heute noch. Aktuell gibt es nur noch Messen für Existenzgründer, die zu mehr als der Hälfte mit Ständen aus der öffentlichen Förderszene bestückt werden.


Die Ausstellungsaktivitäten der Franchisegeber beschränken sich gegenwärtig auf kleine Regionaltreffen mit maximal einem Dutzend Franchiseausstellern. Die werden in der Regel von Partner-Rekrutingsunternehmen für ihre Kunden ausgerichtet. Das Ganze erinnert mehr an ein "Speed-Dating" für Gründungsinteressierte.


Der Interessenverband des Franchising, wird im wesentlichen getragen von den Beiträgen der rund 180 franchisegebenden Unternehmen, die als Vollmitglieder gelistet sind. Der DFV zählt rund 1000 solcher Franchisegeber in Deutschland. Davon sind aber nur 200 bis eventuell 250 Unternehmen am Markt ernsthaft aktiv. Die vertreten maximal 300 Franchiseangebote. Ebenfalls laut DFV Statistik stellten die in 2012 rund 72.700 Franchisenehmer, also selbständige Partnerunternehmen. Dabei wird es sich überwiegend um Klein- und Kleinstunternehmen handeln. Die BMF zählt für 2012 an Klein- und Kleinstunternehmen 7.580.742 Betriebe in Deutschland. Subtrahieren wir die 72.700 Franchisenehmer verbleiben immer noch mehr als 7,5 Mio. KMU-Betriebe, die nicht im Franchising geführt werden. So betrachtet machen Franchisebetriebe nicht mal 10 % aller Klein- und Kleinstunternehmen in Deutschland aus (ohne Berücksichtigung der Mittel- und Großbetriebe). Laut DFV wurden in Franchiseunternehmen knapp 550.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die ARGE zählte knappe 30 Mio. Beschäftigte. Damit sind nicht mal 2 % aller Beschäftigten in Franchiseunternehmen tätig.      
 

Der Zahlvergleich macht die Bedeutung des Franchising innerhalb der gesamten deutschen Wirtschaft mehr als deutlich. Da stellt sich automatisch die Frage, wer da von einer eigenständigen "Franchisewirtschaft" oder einer "Franchisebranche“ spricht und was er damit eigentlich meint. Ich weiß es nicht, zumal bis heute keine gemeingültige Definition festgelegt werden konnte. Könnte sich dahinter möglicherweise ein Wunschdenken der selbsternannten Experten verbergen?


Ohne Zweifel hat das Franchising bis heute ein überdurchschnittliches Wachstum erzielt auch wenn in den letzten Jahren die Existenzgründungen rückläufig verlaufen. Da das Franchising grundsätzlich eine gute Sache ist, bleibt auf das weitere Wachstum zu hoffen, um die gewünschte Bedeutung zu erlangen. Wie aus ehemaligen Wegelagerern moderne Franchisegeber geworden sind soll durch einen Blick auf die Historie in der zweiten Folge beleuchtet werden.

Der Autor

Klaus P. Morin ist seit über 30 Jahren in der Franchise- und Kooperationsszene aktiv. Nach Studium und führenden Marketingpositionen entwickelte er bereits Mitte der 80-iger Jahre sein erstes Franchise-System. Die Klaus P. Morin Consulting wurde in Hamburg, der heimlichen Hauptstadt des Franchising in Deutschland, vor 25 Jahren gegründet. Es werden Filialisten und Kooperatoins-Systeme wie Franchiser, in Strategie, Entwicklung und System-Aufbau unterstützt. Hierbei versteht er sich nicht allein als Berater sonder setzt sein langjährig erworbenes Know-how praktisch um. Im operativen Management organisiert er aktiv die Expansion von System-Unternehmen nach der Devise „Tun nicht reden “.

© Klaus P. Morin 05.12.13

 Klaus P. Morin

Klaus P. Morin

Klaus P. Morin Consulting

Studium Wirtschafts- und Vertragsrecht, Praxis in leitenden Positionen, 18 Jahre Erfahrung mit Franchise- und Kooperationssystemen


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