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Lizenzen & Franchising - ein Widerspruch?

Veronika Bellone: Guten Tag liebe Chat-Teilnehmerinnen und Chat-Teilnehmer. Ich freue mich auf Ihre Fragen.

Leser: Sehr geehrte Frau Prof. Bellone Hat Franchising in der Schweiz überhaupt einen Stellenwert?

Veronika Bellone: Grüss Gott, lieber Chat-Teilnehmer. Und ob! Mit knapp 300 Franchisesystemen inländischer und ausländischer Herkunft ist Franchising in der Schweiz sogar sehr stark vertreten. Der Bekanntheitsgrad ist vielleicht noch nicht so hoch wie in anderen Ländern, doch tut sich hier einiges. Am 23. September findet z.B. eine Franchisemesse in Zürich statt, die bereits eine positive Resonanz in der Presse hat. Es werden vom Franchiseverband inszenierte Veranstaltungen angeboten. Es laufen derzeit Verhandlungen mit Verbänden und anderen Organisationen, um im Rahmen von Netzwerken auf die Chancen mit Franchising hinzuweisen.

Leser: Guten Tag Frau Bellone, worin unterscheiden sich Lizenzen und Franchisen? Wo liegen die Vorteile und Nachteile?

Veronika Bellone: Sehr geehrter Chat-Teilnehmer. Eine Franchise-Vereinbarung besteht aus einer Lizenz plus Know-Vereinbarung. Der Zusatz an Know-Vereinbarung beinhaltet die Unterstützungsmassnahmen, die ein Franchisepartner benötigt, um eine eigene Existenz aufzubauen. Die Lizenz ist sozusagen eine "abgespeckte Form" des Franchising. Eine Lizenz kann für den Vertrieb von Produkten oder Dienstleistungen erworben werden - oder aber auch für ein Herstellungsverfahren. Oftmals werden auch Tools übermittelt, wie diese Angebote am Markt platziert werden sollen und mit welchen Aktivitäten. Der Verkauf von Lizenzen kann als Einstiegsmöglichkeit in einen Markt genutzt werden, um später ein Franchisesystem aufzubauen. Man gewinnt Erfahrungen im Umgang mit Lizenzpartnern, um daraus zu ermitteln, was Franchisepartner später definitiv für Hilfen brauchen, um erfolgreich zu sein.

Leser: Hallo, gibt es eine mit dem Franchiseportal vergleichbare Website, die ausschließlich Lizenzprodukte vorstellt?

Veronika Bellone: Grüss Gott, liebe Chat-Teilnehmerin. Sie können z.B. das franchisenet besuchen. Sie werden dort wie auch im franchiseportal einen Mix an Franchise- und Lizenzangeboten finden. Ein Portal nur für Lizenzangebote ist mir nicht bekannt - zum Teil ist die Abgrenzung auch sehr minim.

Leser: Hallo Frau Bellone: Ich habe den Eindruck, dass 'Existenzgründung' in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland kaum ein Thema ist. Dies mag an der niedrigeren Arbeitslosenquote liegen. Gibt es in der Schweiz überhaupt eine staatliche Förderung der Selbstständigkeit?

Veronika Bellone: Hallo, lieber Chat-Teilnehmer. Sie sprechen da einen wunden Punkt an! Es gibt durchaus potenzielle Existenzgründer in der Schweiz, nur ist das nicht unbedingt ein Medienthema - wie vergleichsweise in Deutschland! In der Schweiz ist vielleicht der Druck über die Arbeitslosenquote nicht so hoch, aber auch hier ist klar, dass es Veränderungen im Arbeitsmarkt gibt. In der beruflichen Selbstständigkeit liegt für viele eine ansprechende Alternative. Eine staatliche Förderung gibt es hier nicht, auch die Banken halten sich mit Existenzgründerdarlehen stark zurück! Allerdings gibt es zum Teil kantonale Förderungen (Wirtschaftsförderungen), die sehr interessant sein können, weil sie beispielsweise Steuererleichterungen bieten oder finanzielle Unterstützung bei der Schaffung von Arbeitsplätzen gewähren.

Leser: Sind Lizenzen eine preiswerte Alternative zum Franchising?

Veronika Bellone: Oftmals ist es so. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass es viele Unterstützungsmassnahmen beim Lizenzerwerb nicht gibt. Eine laufende Betriebsberatung, Betriebsvergleiche, stetige Kommunikation mit der Zentrale etc. sind in der Regel nicht im Lizenzpaket enthalten - derlei Kompetenzen muss man sich anderweitig einkaufen und damit kann man letztendlich auf den gleichen Preis kommen.

Leser: Schönen guten Tag Frau Bellone, in welchen Fällen ist die Umwandlung eines simplen Lizenzangebots in ein betreuungsintensives Franchise-System angebracht?

Veronika Bellone: Grüss Gott, lieber Chat-Teilnehmer. Ein Lizenzpaket eignet sich dann, wenn man Produkte oder Dienstleistungen hat, die entweder "Selbstläufer" sind und/oder gut erfassbar für einen Lizenzpartner sind. Je vielschichtiger das Angebot ist und je mehr von der eigenen Philosophie einfliessen soll, desto eher bietet sich Franchising an. Mit dem Franchising will man als Franchisegeber die eigene Welt um das Angebot herum übertragen, dafür setzt man bestimmte Regeln fest, die zum gewünschten positiven Ergebnis führen.

Leser: Für welche Produkte und Dienstleistungen reicht eine Lizenzvergabe aus?

Veronika Bellone: Die vorangegangene Antwort geht bereits auf diese Thematik ein. Sie müssen entscheiden, wie gross der Entscheidungsspielraum für Ihren Kooperationspartner sein kann. Ist es wichtig, dass für Ihr Angebot auch ein entsprechender Rahmen angeboten wird, sowohl was das Verhalten der Partner anbelangt wie auch das Ambiente im Geschäftslokal, dann wird Franchising eher die Lösung sein. Dann ist die Betreuung der Partner intensiver, weil es um die Einhaltung von Spielregeln geht. Als Beispiel kann ich Ihnen einen aktuellen Fall aus meiner Praxis geben. Für einen Kosmetikhersteller bin ich daran, ein Lizenzkonzept aufzubauen, das vor allem als zusätzliches Standbein den Kosmetik- und Therapieinstituten angeboten wird. Darin enthalten ist der Vertrieb von Produkten plus Methoden und Vermarktungsmöglichkeiten. In einem zweiten Schritt wird das Franchisesystem aufgebaut. Das enthaält dann nicht nur den Produktvertrieb plus Methoden sondern auch den Aufbau eines eigenen Institutes von Anbeginn. Betriebsberatung, Controlling etc. gehört dann zu den laufenden Unterstützungsmassnahmen genauso wie ein entsprechender Marketingpool.

Leser: Hallo, gibt es so etwas wie eine "Schwarze Liste", wo betrügerische Lizenz- und Franchisegeber aufgeführt werden? Und wer sorgt für die Objektivität?

Veronika Bellone: Hallo, liebe Chat-Teilnehmerin. Es gibt keine offizielle Liste. Sie können sich aber beim Franchiseverband Ihres Landes erkundigen, ob allenfalls etwas gegen ein - von Ihnen ausgewähltes System - vorliegt. Vom Verband in Deutschland können Sie auch eine sehr aussagekräftige Broschüre erhalten, die Auswahlkriterien und Tipps für die Selektion enthält. Prüfen Sie ein Angebot immer selbst auf Herz und Nieren. Lassen Sie sich Nachweise zeigen wie Erfahrungszahlen aus anderen Betrieben. Nehmen Sie - nach Absorache mit dem Lizenz- oder Franchisegeber - Kontakt mit bereits vorhandenen Partnern auf. Sondieren Sie selbst Möglichkeiten für das Konzept im Markt - machen Sie eine persönliche kleine Marktanalyse, damit Sie Sicherheit gewinnen. Letztendlich sollten Sie einen Vertrag von einem Anwalt prüfen lassen - auch hier können Sie sich an den Verband wenden.

Leser: Vielleicht verstehe ich den möglichen Widerspruch nicht. Ich dachte immer, Franchising sei die Verlizenzierung eines Geschäftskonzeptes.

Veronika Bellone: Da besteht kein Widerspruch. Franchising beinhaltet eine Lizenz plus Know-Vereinbarung. Bitte schauen Sie sich meine Antwort zu Beginn des Chats an. Danke.

Leser: Hallo Frau Bellone, in welchen Fällen sollte der FN-Betrieb als Kapitalgesellschaft gegründet werden?

Veronika Bellone: Hallo, lieber Chat-Teilnehmer. Das hängt von der Investitionssumme, den laufenden Kosten und dem Haftungsrisiko ab. Wenn der Partner z.B. ein Handelsgeschäft hat und damit verbunden einen hohen Wareneinkauf sowie eine entsprechend aufwändige Infrastruktur, dann würde ich eine Kapitalgesellschaft empfehlen.

Leser: Können ein Lizenzsystem und ein Franchisesystem im gleichen Unternehmen nebeneinander bestehen?

Veronika Bellone: Ja, das geht durchaus. Es kann ja auch sein, dass für bestimmte ausländische Märkte nur das Lizenzsystem zum Tragen kommt und für kulturell ähnliche Märkte das Franchisepaket angeboten wird. Aber selbst innerhalb eines Marktes kann man beide Formen parallel führen. Oftmals wird das Lizenzpaket bestehenden Betrieben als zusätzliches Standbein angeboten. Franchisepartner-Profile sind in der Regel Existenzgründer. Der Franchisegeber muss selbstverständlich vorgängig eine Marktanalyse vorgenommen haben, um das Potenzial für diese Expansionsformen zu bestimmen.

Leser: Ich möchte mich als Investor an einem ausgesprochen lukrativen Franchisesystem beteiligen oder im Rahmen eines solchen Systems einige Betriebe aufbauen. Eine Mitarbeit im Tagesgeschäft kommt für mich nicht in Betracht. Haben Sie einen Tipp für mich?

Veronika Bellone: Sorry, es gab ein kleines technisches Problem! Sie möchten als Investor im Rahmen eines Franchisesystems weitere Betriebe aufbauen, aber nicht stetig im Tagesgeschäft sein. Als Investor sehe ich Sie in der strategischen Planung, immerhin wollen Sie wissen, wo das "Schiff" hinsteuert. Ich würde eine Vereinbarung aushandeln, in der Sie als Coach das System betreuen. Den zeitlichen Einsatz können Sie festlegen.

Leser: Sehr geehrte Frau Bellone, in welcher Größenordnung liegen die Kosten einer Feasability Study für den Aufbau eines Franchisesystems?

Veronika Bellone: Grüss Gott, lieber Chat-Teilnehmer. Es kommt ein wenig auf die Grössenordnung des Unternehmens an und darauf, ob es sich z.B. um eine Umstrukturierung handelt. Im Schnitt kostet eine Studie bei uns mit Vorbereitung, Durchführung eines gemeinsamen Workshops und Nachbereitung, d.h. Studie mit Stärken- und Schwächenprofil plus Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen zwischen ca. 6' - 10'000.- Euro.

Leser: Sehen Sie den Einstieg in ein Lizenzsystem oder ein Franchise-System als risikoreicher an?

Veronika Bellone: Das kann man generell nicht sagen. Der Spielraum innerhalb einer Lizenzvereinbarung ist normalerweise für einen Kooperationspartner grösser - das kann grössere Risiken bergen, weil man selbst mehr ausprobieren muss, welche Massnahmen zum Erfolg führen. Innerhalb einer Franchise-Vereinbarung kann ein Franchisepartner davon profitieren, dass er/sie eine "schlüsselfertige" Existenz übertragen bekommt, die er/sie mit dem eigenen Engagement ausfüllen muss.

Leser: Wie viele ausländische Franchise-Systeme sind bereits in Deutschland tätig? Verfügen Sie i.d.R. über eine eigene Zentrale oder werden Sie aus dem Ausland gesteuert?

Veronika Bellone: In Deutschland sind von den rund 800 Franchisesystemen ca. 100 ausländischen Ursprungs. Ein Grossteil davon (zumeist Systeme aus Übersee) hat eine Zentrale/ein Headquarter in Deutschland - darüber wird die Expansion machmal nicht nur in Deutschland sondern auch in der Schweiz gesteuert.

Leser: Hallo Frau Bellone, stimmt es, dass in Deutschland bisher nur wenige ausländische Systeme mittels Masterfranchising importiert wurden? Woran liegt es?

Veronika Bellone: Hallo, lieber Chat-Teilnehmer. Das liegt an vielen Dingen. Zum einen finden manche ausländischen Systeme nicht die gleiche Akzeptanz in Deutschland vor - die Adaptionen wären so aufwändig, dass es sich gar nicht lohnt, das System zu übernehmen. Zum anderen handelt es sich grösstenteils um sehr hohe Investitionen, wo sich manch ein potenzieller Masterpartner überlegt, nicht eine andere adäquate Lösung zu suchen. Das Risiko für einen Masterpartner ist vergleichsweise höher als für einen regionalen Partner. Die Märkte bei uns sind in den meisten Branchen gesättigt, da schaut sich jeder Investor oder Masterpartner noch genauer an, was bei uns Erfolg haben könnte.

Leser: Hallo, sind die Finanzierungschancen durch eine Bank Ihrer Erfahrung nach größer, wenn man sich für ein Franchiseunternehmen anstelle eines Lizenzkaufes entscheidet?

Veronika Bellone: Das Wichtigste für die Bank ist die Branche, in der sich das Konzept bewegt. Die Erfahrungszahlen, der Cash Flow etc. - das kann sowohl im Franchising wie bei der Lizenz spannend oder eben nicht sein. Beide Formen können Erfahrungswerte vorweisen - das kann für eine Bank interessant sein, weil so das Risiko und die Gewinnchancen besser kalkulierbar sind. Gegenüber einer Einzelgründung sind Lizenz- und Franchisevereinbarungen sicher vorteilhafter.

Veronika Bellone: Liebe Chat-Teilnehmerinnen und Chat-Teilnehmer, herzlichen Dank für's Mitmachen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen "Rest-Sommer" und viel Erfolg bei Ihren Vorhaben. Ihre Veronika Bellone

Prof. Veronika Bellone

Prof. Veronika Bellone

Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH

Franchise-Beratung, Professorin an zwei Schweizer Hochschulen, Publikationen zu Marketing- und Franchise-Themen. Konzeption des Greenfranchise Awards, der 2018 zum sechsten Mal vergeben wurde.

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