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Neuerungen bei Finanzierung und Fördermitteln

Klaus Lockemann: Guten Morgen und ein herzliches Grüß Gott. Ich freue mich auf Ihre Beiträge und stehe Ihnen jetzt für Fragen gerne zur Verfügung. Klaus Lockemann

Leser: Sehr geehrter Herr Lockemann, was halten Sie von dem Finanzierungsangebot der Deutschen Bank für Franchisenehmer? Ist dies ein Durchbruch und werden sich künftig weitere Großbanken für Franchising interessieren?

Klaus Lockemann: Guten Morgen. Ob sich das Finanzierungsangebot der Deutschen Bank bewährt, müssen wir abwarten. Das Projekt ist noch zu jung, um hier eine entsprechende Prognose abzugeben. Ich persönlich glaube nicht, dass andere Großbanken, wie z.B. HypoVereinsbank, Dresdner Bank, Commerzbank, etc. diesem Projekt gleich folgen werden. Wir müssen abwarten, wie sie das Angebot der Deutschen Bank entwickelt.

Leser: Guten Morgen Herr Lockemann, Sie erwähnen im Titel Änderungen bei der Vergabe öffentlicher Fördermittel. Um welche Änderungen handelt es sich im wesentlichen?

Klaus Lockemann: Wir haben in der BRD verschieden Geldgeber für öffentliche Förderprogramme. Die einzelnen Vergaberichtlinien richten sich nach dem jeweiligen Förderprogramm. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich bei den Vielzahlen von Förderprogrammen hier nicht alle Vergaberichtlinien nennen kann. Das wichtigste ist das so genannte MaK, die Mindestanforderung an die Vergabe von Krediten bei den Kreditinstituten. Dabei läuft die Kreditvergabe durch insgesamt 3 Abteilungen. Jede dieser Abteilung hat ein Votum. Nur ein negatives Votum reicht aus, um keinen Kredit auszureichen (egal von welcher Abteilung).

Leser: Was halten Sie von der Gesellschaftsform einer englischen Limited als Alternative zur GmbH?

Klaus Lockemann: Im Bereich der Finanzierung haftet der Gründer in der Regel immer mit seinem Gesamtvermögen. Wählt der Gründer eine Rechtsform der GmbH oder der englischen Limited, so muss der Gründer i.d.R. eine persönlich haftende Bürgschaft abgeben. Somit haftet er wiederum mit seinem Vermögen. Insofern bringt die englische Limited also nicht viel.

Leser: Hallo Herr Lockemann, schreibe momentan meine Diplomarbeit über Existenzgründung und Franchising: "FRANCHISEGRÜNDUNG ALS ALTERNATIVE ZUR UNABHÄNGIGEN EXISTENZGRÜNDUNG ENTSCHEIDUNGSHILFE FÜR POTENTIELLE FRANCHISENEHMER UNTER BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG VON MOTIVEN UND EIGNUNGEN". Bin auf der Suche nach zuverlässigen Quellen und Gesprächspartner. Es ist schwierig zuverlässige Informationen zu der Investitionssumme eines Franchise und ob die Finanzierung leichter oder schwieriger ist als bei einem unabhängigen Gründer. Grundsätzlich durchläuft ein FN ja das gleiche Kreditvergabeprozedere

Klaus Lockemann: Sie haben Recht, die Prozedere ist gleich. Allerdings ist eine Existenzgründung im Bereich des Franchising wesentlich ‚sicherer’. Dies beweist auch die Statistik. Wenn Sie weitere Infos benötigen, können Sie mich später gerne per Email kontaktieren und/oder den Deutschen Franchise Verband (DFV) in Berlin.

Leser: Guten Tag Herr Lockemann, können Sie mir bitte sagen welchen Einfluss die Branchen auf die Finanzierungsbereitschaft der Kreditinstitute und den Zinssatz haben? Ich suche übrigens ein System im Modeschmuckbereich.

Klaus Lockemann: Bei der Kreditvergabe spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Dabei ist natürlich auch die Branche. Allerdings kann das Franchisesystem, dies auch positiv hervorheben. Wenn das System sich am Markt durchgesetzt hat, spielt die Branche nur noch eine Nebenrolle, siehe z.B. Gastronomie – McDonald. Auf die Zinsen hat die Branche keinen Einfluss. Der Zins wird heute i.d.R. durch Bonität des Kreditnehmers (=Franchisenehmer) und durch die Sicherheitenstellung (Möglichkeiten) ermittelt.

Leser: Danke! Warum gilt das Angebot der Deutschen Bank offenbar nur für Großinvestitionen ab 100.000 EUR?

Klaus Lockemann: Eine Erhebung hat ergeben, dass das Finanzierungsvolumen im Bereich des Franchisings (Existenzgründung) bei ca. 100.000,00 Euro liegt. Diesen Betrag hat die Deutsche Bank mit Sicherheit als Richtwert herangezogen. Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank eine Großbank ist. Für eine Großbank ist erst eine Finanzierung ab einer bestimmten Summe interessant, damit sie noch etwas daran verdient, weil der administrative Aufwand bei einer Großbank doch sehr erheblich ist.

Leser: Welche sonstigen Neuerungen gibt es auf dem Gebiet der Finanzierung?

Klaus Lockemann: Einige Bundesländer haben z.B. neue Förderprogramme herausgebracht. Diese neuen Programme beinhalten z.T. auch eine Haftungsfreistellung oder eine Ausfallbürgschaft. Damit nehmen die neuen Programme eine besondere Rücksicht auf die Sicherheiten, die der Franchisenehmer hat bzw. eben nicht hat.

Leser: Und was halten Sie unter Finanzierungsgesichtspunkten von der Gesellschaftsform Limited?

Klaus Lockemann: Wie ich schon erläutert habe, werden Sie mit Sicherheit eine persönliche haftende Bürgschaft bei der Finanzierung abgeben müssen. Die engl. Gesellschaftsform Limited halte ich persönlich im Bereich der Finanzierung, auf Grund der Haftungsbeschränkung, nicht als positiv. Eine Haftungsbeschränkung gegenüber Förder- und Geldinstituten kann damit auch nicht ausgeschlossen werden (siehe oben).

Leser: Hallo, aus welchen Kapiteln besteht ein Businessplan? Welche Unterlagen sollte der Franchisegeber zur Verfügung stellen? Welche weiteren Dokumente sind beim Bankgespräch vorzulegen?

Klaus Lockemann: Der Franchisegeber sollte Ihnen grundsätzlich bei der Erstellung des Business-Planes behilflich. Dies kann in verschiedenster Formen geschehen. Grundsätzlich sollte der Business-Plan die Inhalte Executive Summary, Ausgangsituation, Franchisegeber, Gründerperson(en), Markt- und Standortanalyse, Wettbewerb, Risikoanalyse, Organisation und Geschäftsablauf, Investitionen, Finanzplan und Prognoseberechnungen haben. Als Anlage müssen ein Franchisevertrag und die persönlichen Unterlagen (wie. z.B. Lebenslauf, Selbstauskunft, etc.) beigefügt werden.

Leser: Welche Verhaltensempfehlungen können Sie mir für anstehende Kreditverhandlungen geben?

Klaus Lockemann: Grundsätzlich: Offenheit und Ehrlichkeit! Sehen Sie bitte das Bankgespräch als Ihr wichtigstes Verkaufsgespräch für Ihre Existenzgründung an. Der Banker will von Ihnen überzeugt werden. Sie müssen Ihre Begeisterung für das Vorhaben zeigen und übermitteln.

Leser: Bis vor etwa einem Jahr war ständig von Basel II die Rede und dass die deutschen Banken ihre Eigenkapitalbasis stärken müssten. Inzwischen explodieren ihre Gewinne, aber an der Kreditvergabepraxis ändert sich nichts. War Basel II nur ein Vorwand?

Klaus Lockemann: Basel II wird heute schon angewendet. Die Zinsermittlung, zum Beispiel, wird durch die zwei Klassensysteme (Bonität und Sicherheiten) gemacht. Desto höher das Risiko ist, desto höher ist der Zins. Wenn etwas Neues auf dem Markt eingeführt wird, so wird dies sehr stark publiziert. Ist das angeblich Neue nachher in der Anwendung, kräht kein Hahn mehr danach. So ist das leider bei uns. Deswegen hören Sie heute so gut wie nichts mehr von Basel II. Mir persönlich ist übrigens keine Finanzierungsablehnung bekannt, die auf Basel II beruht. Bei der Kreditvergabe spielt das MaK eine wesentliche Rolle (siehe oben).

Leser: Welche Bankinstitute stehen Existenzgründern und Franchise-Nehmern besonders offen gegenüber?

Klaus Lockemann: Zuerst sollte Ihre Hausbank angefragt werden. Ca. 94% aller Finanzierungen im Existenzgründungsbereich werden durch die Öffentlich Rechtlichen Geldinstitute (=Sparkassen) und die Genossenschaftsbanken (=Volks- und Raiffeisenbanken) abgehandelt. Und natürlich… die Deutsche Bank mit dem Projekt Franchisefinanzierung. Ansonsten fragen Sie bitte auch Ihren zukünftigen Franchisegeber, welche Erfahrungen er mit seinem System gemacht hat und bei welchem Geldinstitut das System schon bekannt ist.

Leser: Würden Sie mir raten, gleichzeitig auf mehrere Banken zuzugehen oder mich auf erst mal auf meine Hausbank zu konzentrieren? Spricht sich eine Ablehnung möglicherweise unter den Banken herum?

Klaus Lockemann: Sie sollten ruhig mehrere Geldinstitute für Ihr Gründungsvorhaben gleichzeitig ansprechen. Sollte ein Geldinstitut Ihr Vorhaben, egal aus welchen Gründen, ablehnen, so können Sie dann noch auf ein anderes Institut evtl. zurückgreifen, ohne viel Zeit verloren zu haben. Die Finanzierungsanfrage kann als eine Kreditanfrage in der Schufa eingetragen werden. Somit ist die Anfrage evtl. auch für andere Kreditinstitute sichtbar.

Leser: "Eine Erhebung hat ergeben, dass das Finanzierungsvolumen im Bereich des Franchisings.." könnten Sie mir diese Quelle nennen

Klaus Lockemann: Statistiken können Sie u.a. beim Deutschen Franchise Verband (DFV) Berlin, bei der KfW-Mittelstandsbank (Abt. Statistik) und diverse Forschungsinstitute abfragen. Die von mir erwähnten Zahlen wurden im Jahr 2005 für ein Forschungsprojekt ermittelt und mir zur Verfügung gestellt.

Leser: Was soll ich machen, wenn sich meine Hausbank trotz weitgehender Haftungsfreistellung nicht um Fördermittel bemühen will?

Klaus Lockemann: Hier stellt sich die Frage, ob Ihre Bank nur Förderprogramme ablehnt oder Ihr Vorhaben insgesamt nicht begleiten will. Wenn Ihre Hausbank keine Förderprogramme beantragen will, fragen Sie bitte nach Alternativen (z.B. Hausbankdarlehen). Sollte Ihre Hausbank das Vorhaben insgesamt ablehnen, fragen Sie bitte nach den Gründen. Mit diesen Informationen könnten Sie evtl. Ihr Vorhaben abändern und bei einem anderen Geldinstitut anfragen.

Leser: Sehr geehrter Herr Lockemann, können wir uns bei Finanzierungsfragen direkt an die KfW als Förderbank des Bundes wenden? Wir haben ca. 15 T EUR Eigenkapital und möchten uns im Bereich Hausmeisterservice selbstständig machen.

Klaus Lockemann: Die KfW-Mittelstandsbank vergibt keine Förderprogramme direkt. Wir haben in Deutschland das so genannte Hausbankprinzip. Dies bedeutet, dass die Förderprogramme grundsätzlich über ein in Deutschland ansässiges Geldinstitut, das mit Förderprogrammen arbeitet, ausgereicht werden. Die KfW-Mittelstandsbank hat allerdings Beratungszentren, die Ihnen umfangreiche Beratungen und Hilfe anbieten. Diese sollten Sie ruhig nutzen.

Klaus Lockemann: Leider ist die Zeit schon wieder vorüber. Schade. Ich bedanke mich bei Ihnen für die sehr guten Fragen und Diskussionspunkten. Für Ihr Vorhaben wünsche ich Ihnen viel Erfolg und viel Glück. Ein schönes und sonniges Wochenende wünscht Ihnen Klaus Lockemann.

 Klaus Lockemann

Klaus Lockemann

Klaus Lockemann

Sachverständiger für Finanzierungen und Finanzplanung sowie Verfasser von zahlreichen Publikationen.

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