7/31/2019

Das BESTE Franchisesystem aller Zeiten

 


 

„Wöchentliche Arbeitszeit 10 bis 15 Stunden, vertraglich gesichertes Monatseinkommen ab 15.000 Euro, kein Verkauf, keine Vertretung“. Diese Anzeige stand tatsächlich am 25. August 2003 in der FAZ. Dabei suchte weder eine Partei einen neuen Spitzenplauderer noch nicht irgendein Verband einen neuen Häuptling. Nein, hier wurden Franchisepartner für das ganz offensichtlich beste Franchise-System aller Zeiten gesucht. Leider habe ich diese Chance damals verpasst und bin bis heute auf jede einzelne Million angewiesen – so ist das Leben.

 

 

Warum es kein „bestes“ Franchisesystem geben kann

Tatsächlich werde ich bei Gründerveranstaltungen oder in ähnlichen Situationen nach dem besten Franchisesystem gefragt. Erschreckend ist dabei, welche Erwartungshaltungen häufig durch die Partnerakquise der Franchisegeber bei den Interessenten geweckt werden und auch mit welch teilweise blauäugigen Vorstellungen Gründungsinteressierte das Thema Franchise sehen.

Rund 1.000 Franchisesysteme sind in Deutschland in den unterschiedlichsten Branchen aktiv und jeder Franchisegeber wirbt mit einzigartiger Wettbewerbsstärke und umfangreichem Know-how. Die Geschwindigkeit, mit der neue Standorte eröffnet werden, ist bei einigen Franchisesystemen tatsächlich beeindruckend. Wer als Franchisepartner nach und nach mehrere Betriebe eines Systems übernimmt, hat zweifellos das für sich persönlich beste Franchisesystem gefunden. Ein Franchisesystem, das universeller Erfolgsgarant für jedermann ist, gibt es aber definitiv nicht – und kann es auch gar nicht geben. Der Grund dafür liegt schlicht und einfach in der individuellen Lebenssituation des Einzelnen.

Zu jedem seriösen und professionell geführten Franchisesystem gehört ein klares Partnerprofil. Unternehmergeist, Freude am Umgang mit Menschen oder Organisationstalent gehören, völlig unabhängig von der Art meines Unternehmerdaseins, zu den Grundbedingungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Es gibt Franchisesysteme, bei denen müssen Sie als Partner einen entsprechenden Meisterbrief vorweisen oder bereits ein Hotel betreiben, das in das Franchisesystem integriert wird.

Andererseits kommt ein ganzes Spektrum von Branchen für eine Gründung in Betracht, denn bei professionell organisierten Franchisesystemen eröffnet der effektive Know-how Transfer auch Quereinsteigern solide Chancen in Geschäftsfeldern, in denen sie keine oder nur wenig Berufserfahrung haben. Versuchen Sie daher, möglichst objektiv und ehrlich gegen sich selbst, Ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten - und natürlich auch die nicht ganz so tollen Facetten Ihrer Persönlichkeit - zu erkennen.

Nachdem Sie sich auch noch intensiv mit den Besonderheiten der Zusammenarbeit zwischen einem Franchisegeber und seinen Partnern beschäftigt haben und sich bewusst für diese Form der Gründung entschieden haben, sind die Finanzen ein relevantes Thema. Bei der Betrachtung der Finanzen müssen zwei Fragen geklärt werden:

 

 

  1. Welches Investment, einschließlich einer defizitären Anlaufphase, kann ich maximal überhaupt finanzieren ?
  2. Welches Nettoeinkommen muss ich nach dieser Anlaufphase erwirtschaften, um den persönlichen Lebensunterhalt für mich und meine Familie zu sichern?

 

 

Natürlich sollte bereits mittelfristig ein Unternehmerlohn realisierbar sein, der spürbar über dem bisherigen Gehaltsniveau liegt und den Aufbau finanzieller Reserven und Vermögenswerte ermöglicht. Und damit sind wir wieder bei der Frage nach dem besten Franchisesystem und der Erkenntnis, dass es darauf keine Antwort geben kann.

Während das Franchisesystem A oder B für den einen optimal ist und passt wie ein Maßanzug, kann es für einen anderen die wirtschaftliche Katastrophe mit Ansage sein. Jemand kann wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn trotz überschaubarer Investitionen eine Wertschöpfung entsteht, die den Lebensunterhalt gewährleistet.

Das funktioniert, wenn ich Single bin, günstig wohne und keine besonderen finanziellen Verpflichtungen habe. Das gleiche Konzept kommt aber für eine Familie mit Kindern im schulpflichtigen Alter und Kreditverpflichtungen aus der Eigenheimfinanzierung nicht in Frage, weil das benötigte Einkommen mit diesem Franchisekonzept überhaupt nicht erreicht werden kann. Wenn sich ein Konzept für meine individuelle Lebens- oder familiäre Situation nicht rechnet, spielt es keine Rolle, ob ich fachlich und persönlich perfekt aufgestellt bin.

Wenn ein System, bei dem jeder Franchisepartner jedes Jahr mit einem Gewinn in solider sechsstelliger Höhe beendet, scheint es sich offensichtlich um ein „gutes“ Franchisekonzept zu handeln. Wenn der Systemeintritt jedoch mit einem Investment von über 500.000 Euro verbunden ist, Sie aber nur 10.000 Euro Eigenkapital haben, ist realistisch gesehen keine Finanzierung möglich und diese Alternative hat sich damit erledigt. Junge Menschen verfügen in der Regel nicht über nennenswertes Eigenkapital, was die Investitionsmöglichkeiten in die eigene Existenz einschränkt. Ältere Gründer hatten dagegen die Chance Rücklagen zu bilden oder bekommen beim Verlust des Arbeitsplatzes eventuell eine hohe Abfindung und haben dadurch beim Start in die Selbständigkeit finanziell deutlich mehr Möglichkeiten.

Bei der Suche nach dem geeigneten Franchisesystem ist es eindeutig zielführender, sich im ersten Schritt mit der eigenen persönlichen und finanziellen Situation zu befassen und eine konsequente Vorauswahl zu treffen. Es ist wirklich kein großes Problem, sich entscheidungsrelevante Informationen zu beschaffen.

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse gestaltet sich die Suche deutlich präziser und erspart Ihnen viele Analysen und Gespräche mit Franchisegebern, die von vornherein gar nicht in Frage kommen. Wenn Sie unsicher bei der Beschaffung und Bewertung solcher Informationen sind, ziehen Sie einen neutralen Franchiseexperten zu Rate – wobei die Betonung auf „neutral“ liegt. Der arbeitet zwar nicht kostenlos, aber Sie stehen vor einer Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen und da sind Sorgfalt und Erfahrung unerlässlich.

 

 

Indizien für „gute“ Franchise-Systeme

Vorab ein Hinweis, der auf den ersten Blick irritiert, aber für den es gute Gründe gibt: Sie sollten irgendwelche Qualitätssiegel und Rankingplätze für Franchisesysteme nicht überbewerten. Im letzten Jahr zum Beispiel wurde in FOCUSmoney die Studie „Deutschlands beste Franchise Unternehmen“ veröffentlicht. Die war hinsichtlich des Informationswertes völlig indiskutabel, weil das Datenmaterial ausschließlich durch Suchbegriffe im Internet generiert wurde und nur Domains mit der Endung „de“ berücksichtigt wurden.

In der recht großen Rubrik Beauty wurde nur ein Anbieter genannt, natürlich mit höchstmöglicher Punktzahl. Der mit 220 Sonnenstudios quantitative Marktführer der Branche, der je nach Region, bis zu 60% Marktanteil hat, wurde überhaupt nicht erwähnt. In der Rubrik Massivhausbau war es noch undurchsichtiger. Town & Country ist seit 2007 Jahr für Jahr das meistverkaufte Markenhaus Deutschlands, zudem kennzeichnen zahlreiche nutzbringende Alleinstellungsmerkmale und Innovationen das Franchisesystem. Ein Franchisegeber, der sogar über das eigene Geschäftsfeld hinaus als Vorbild für die gesamte Franchisewirtschaft gesehen wird, aber im Ranking weit abgeschlagen hinter dem Spitzenreiter dieser Rubrik platziert war und Glück hatte, überhaupt erwähnt zu werden. Nur zwei Beispiele für die Geschäftemacherei mit Gütesiegeln, denn für diese Siegel wurden teilweise fünfstellige Lizenzgebühren bezahlt, um als Franchisegeber ein Jahr damit bei der Partnerakquise werben zu können. Alles klar?

Nachdem Sie selbst auf Grundlage der allgemein zugänglichen Daten eine Vorauswahl getroffen haben, welche Franchisesysteme für Sie grundsätzlich geeignet sein könnten, steht die Kontaktaufnahme zu den betreffenden Franchisegebern an. Wundern Sie sich bitte nicht, wenn bereits in einer frühen Phase der Kontaktaufnahme der Franchisegeber auch von Ihnen einige persönliche Informationen haben möchte. Das ist verständlich, denn auch die Systemzentrale selektiert anhand des Partnerprofils und weiterer Kriterien vor, um sich auf Bewerber zu konzentrieren, die einige Grundvoraussetzungen erfüllen. Aber sie kommen nicht als Bittsteller zum Franchisegeber, sondern als Verhandlungspartner auf Augenhöhe. Überzeugende Franchisepartner zu finden ist für nahezu jeden Franchisegeber eine Aufgabe, die viel Zeit und Geld kostet und natürlich eine hohe Priorität hat.

Die Indizien für ein „gutes“ Franchisesystem sind im Prinzip immer gleich. Ein seriöser Franchisegeber ist in der Lage, die wirtschaftliche Perspektive durch anonymisierte Vergleichszahlen aus bestehenden Betrieben zu belegen. Er zeigt auch, auf welcher Grundlage die Erträge für einen Standort geplant werden, wann die Gewinnschwelle erreicht wird und welche Kostenstrukturen zu erwarten sind und ist zudem der Beweis, dass es sich um ein erprobtes Geschäftskonzept handelt. Die Bewertung der vertraglich zugesagten Leistungen des Franchisegebers und deren tatsächlicher Nutzen im operativen Geschäft sind der nächste wichtige Punkt.

Betrachten Sie die Systemzentrale als Ihr Co-Management und für dieses Leistungsversprechen bezahlen Sie schließlich Franchisegebühren. Ob die Franchisegebühr 3 % oder 8 % vom Umsatz beträgt, sagt nichts über die Leistungen des Franchisegebers aus. Erst ein sorgfältiger Vergleich, was diese Leistungen kosten würden, wenn man sie als Individualgründer jeweils einkaufen muss, gibt Klarheit. Das zu vergleichen, ist zwar eine etwas komplexere Aufgabe – gibt aber interessante Erkenntnisse.

Nächstes Indiz für die Wertigkeit eines Franchisesystems ist der Know-how Transfer. Das ist einerseits ein Systemhandbuch, in dem alle Arbeitsprozesse, Richtlinien, Handlungsempfehlungen und Arbeitshilfen vollständig und in allen Details aktuell hinterlegt sind. Seit Jahren sind digitale Systemhandbücher Stand der Entwicklung, die Nutzung audio-visueller Dateiformate, das äußerst effektive Management von Updates und die Schaffung von Rechtssicherheit innerhalb der gesamten Arbeitsorganisation sind dabei ganz wesentliche Vorteile. Andererseits gehört ein Konzept für Schulung und Training zu jedem professionellen Franchisesystem, getrennt nach Themen zur Systemintegration und Angebote zur laufenden Schulung. Die einzelnen Themenmodule sollten didaktisch gut aufbereitet sein und in engem Zusammenhang mit dem Systemhandbuch stehen und zudem stets einige Monate im Voraus terminiert sein, damit Sie als Franchisenehmer für sich und ihre Mitarbeiter planen können.

Last not least sollte der Franchisevertrag von einem erfahrenen, auf Franchisefragen spezialisierten Rechtsanwalt entwickelt worden sein. Denn nur so ist gewährleistet, dass der Konflikt mit irgendeinem Franchisepartner das Franchisesystem insgesamt beschädigt oder sogar den bis dahin finanziell stabilen Franchisegeber in eine wirtschaftliche Schieflage bringt, was sich sofort auf alle Partner des Systems auswirkt.

Natürlich gibt es auch Indizien für dubiose Franchiseakteure. Wenn Sie mit Versprechen wie risikolose Existenz oder enorme Verdienstmöglichkeiten ohne Investitionen gelockt werden, seien Sie auf der Hut. Haken Sie ebenfalls Angebote ab, die Ihnen in bunten Verkaufsshows mit dem Hinweis auf die Exklusivität und die angeblich hohe Zahl von Interessenten angeboten werden und Sie zu einer schnellen Unterschrift gedrängt werden sollen.

 

 

Fazit

Das ultimativ „beste“ Franchisesystem gibt es ebenso wenig wie die beste Immobilie. Eine Stadtvilla in guter Lage in Hamburg für 2 Millionen Euro kann ein Schnäppchen sein, wenn die laufenden Kosten aber nicht zu Ihrem Einkommen passen, dauert es nicht lange bis zur Privatinsolvenz. Ein Haus für 150.000 Euro irgendwo im Hinterhof der Republik ist ein schlechter Deal, wenn es 20 km bis zur nächsten menschlichen Siedlung sind.

Im übertragenen Sinne heißt das, weder die Höhe der Investitionen noch die Gewinnerwartung isoliert betrachtet, bringen Sie weiter. Prüfen Sie im ersten Schritt sorgfältig und ohne Zeitdruck selbstkritisch, wo Ihre Stärken liegen, wie Ihre finanziellen Möglichkeiten aussehen und welche wirtschaftliche Perspektive Sie mittel- und langfristig brauchen, um sich und Ihre Familie abzusichern.

Erst im zweiten Schritt folgt die Vorauswahl zu möglichen Franchisealternativen und die individuelle Anfrage bei – nach Ihrer Einschätzung – passenden Franchisegebern. Die Informationen, die Sie dann erhalten, sind vielschichtig und müssen im Detail geprüft werden. Ein franchiseerfahrener Berater hilft Ihnen dabei gerne, zumal wenn er auf ein umfassendes Datenarchiv zu Franchisesystemen zurückgreifen kann.

 

Expertenstimme von Reinhard Wingral

Autor:

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