12.09.2018

Wie kann man eine Franchise-Gründung umsetzen?

 

 

Sie stehen vor einer der wichtigsten Fragen Ihres Lebens: Sie möchten sich selbstständig machen, ein Unternehmen gründen: ob als Einzel-Unternehmer oder im Franchising. Offenbar haben Sie den Mut zur Gründung, während viele Ihrer ehemaligen Kollegen bewundernd äußern: „Gründen? Ich könnte das nicht …!“. Wer liegt richtig: die Skeptiker – oder Sie mit Ihrem Mut?

Prüfen Sie zuerst sich selbst. Sind Sie risikobereit? Können Sie eine hohe Summe zur Finanzierung als Startinvestitionen stemmen? Trauen Sie sich zu, hohe Gründer-Kredite dafür aufzunehmen und jahrelang Rückzahlungen zu leisten? Sind Sie sich bewusst, dass Ihnen in der Phase der Gründung und frühen Selbstständigkeit eine Arbeitsbelastung bevorsteht, die Ihr Privatleben extrem einschränken könnte? Sind Sie auch in Stresssituationen ein Mensch, der sich und andere begeistern kann – und vor allem eines: ein Verkäufer-Typ? Dann bringen Sie die wichtigsten Fähigkeiten mit, ein Unternehmen zu gründen.

 

 

Sind Sie Einzelkämpfer oder Netzwerker?

Und nun zum Franchising. Sind Sie bereit, ein Geschäftsmodell umzusetzen, das nicht Ihr eigenes ist? Könnten Sie sich mit Marke und Produkt Ihres Franchise-Gebers identifizieren? Sind Sie bereit, sich Vorgaben und Weisungsbefugnissen unterzuordnen? Sind Sie sich dessen bewusst, dass Sie im Franchising zwar Ihr volles unternehmerisches Risiko tragen – aber nur sehr enge gestalterische Freiräume haben?

Franchising heißt, frei und doch auch gebunden zu sein. Wenn ja, dann bringen Sie die Voraussetzungen zum besonderen Typ Unternehmer mit, der Sie als Franchise-Gründer sein werden.

Genießen Sie die Vorteile des Franchising für Ihre Existenzgründung: das erprobte Geschäftsmodell. Die bekannte Marke. Den Erfahrungsaustausch, die Zusammenarbeit und die gewinnbringende Arbeitsteilung im Netzwerk. Wählen Sie Ihr passendes Franchise-System aus rund 1.000 Netzwerken, die allein in Deutschland aktiv sind!

 

 

 

So findet man das richtige Franchise-System

Der Start in Ihr Franchisenehmer-Leben ist nur einem Mausklick entfernt. In der Virtuellen Franchise-Messe finden Sie die Präsentationen von ständig rund 300 Franchise- und Lizenz-Systemen, die mit ihrer Geschäftsidee aktuell neue Partner suchen. Die Branche muss für Sie keine Einschränkung sein – nach dem Motto: Hier bin ich kein Profi. Zu den wichtigsten Qualifikationen von Franchise-Nehmern zählt selten tiefes Fachwissen! Fast jedes Franchisesystem ist in einer Marktnische tätig. Das Wissen für Business, Start und Existenzgründung vermitteln Ihnen die Franchisegeber in den ersten Schulungen.

Was Franchise-Gebern am wichtigsten ist? Soft Skills wie Verkaufstalent, Teamfähigkeit, Sozialkompetenz, Führungsqualität und oft auch kaufmännisches oder betriebswirtschaftliches Know-how. Franchise-Geber suchen bewusst oft Quereinsteiger, die ihr Konzept 1:1 umsetzen, statt es zu verfälschen.

Weitere Erst-Kontakte mit Franchise-Systemen können Sie auf lokalen oder nationalen Franchise- oder Gründer-Messen aufbauen. Wenn Sie einen Franchisenehmer-Betrieb betreten oder auf der Homepage besuchen, finden Sie häufig Werbematerialien oder Menüpunkte wie „Partner werden – wir suchen Franchise-NehmerInnen“. Eine weitere Kontaktplattform für Franchising können soziale Netzwerke wie Xing, LinkedIn oder – bei Consumer-, Gastronomie- oder Trendprodukten – auch Facebook-Seiten der Unternehmen sein.

Achten Sie im Internet auf Einzelheiten der Systemdarstellung. Ist das Konzept klar und verständlich beschrieben? Erkennen Sie bei dem Franchisesystem ein klares Alleinstellungsmerkmal – einen Wettbewerbsvorteil? Ist die Geschäftsidee eher innovativ oder bewährt? Handelt es sich um ein neues System, das erste Partner sucht (neue Systeme bieten Ihnen häufig größere Gestaltungsspielräume)? Oder ist es bereits an Dutzenden oder Hunderten Standorten erfolgreich (was auch Ihnen beste Erfolgschancen bieten dürfte)? Ist das Produkt einem Trend/einer Mode unterworfen oder bedient es eine dauerhafte Nachfrage? Erhalten Sie ein klares Bild von den Tätigkeit und Anforderungen für Franchise-Nehmer? Bieten Ihnen die Leistungen der Zentrale echte Startvorteile in Ihre Selbstständigkeit?

Finden Sie das System interessant? Dann hinterlegen Sie Ihre Kontaktdaten. Lassen Sie sich unverbindlich die ausführlichen Unterlagen zusenden. Am besten von mehreren verschiedenen Franchise-Systemen, um eine Auswahl und einen Vergleich zu haben.

 

 

Franchisegeber-Informationen einholen!

Wie grenzen Sie Ihre Auswahl der Unternehmen und Angebote weiter ein? Prüfen Sie in den Unterlagen Ihres Franchisegebers unter anderem:

 

 

  • Gibt es überzeugende Alleinstellungsmerkmale und Wettbewerbsvorteile?
  • Welche Investitionen müssen Sie als Franchisenehmer für die Gründung voraussichtlich tätigen – in Form von Fremd- und Eigenkapital?
  • Wie hoch sind die durchschnittlichen Umsätze und Gewinne der Franchisenehmer-Betriebe?
  • Welche Hilfen zur Finanzierung bietet Ihr Franchisegeber (z.B. Investitionsplan, Bankkontakte, Leasingmöglichkeiten, Beteiligungen, Unterstützung bei Fördermittelanträgen)?
  • Welche weiteren Unterstützungsleistungen bietet Ihr Franchisegeber (z.B. bei der Businessplan-Erstellung, Standortanalysen, Marketing-Konzepte, Beratung und Marketing-Maßnahmen, zentralen Einkauf, Unterstützung in Verwaltung und Organisation, Fortbildungsmöglichkeiten, Gebietsschutz...)? 
  • Gibt es einen Franchisenehmer-Beirat, in dem Sie Ihre Interessen vertreten können?

 

 

Vergleichen Sie die Leistungs-Angebote der Franchisegeber. Nehmen Sie zwei bis drei in die engere Wahl - und bewerben Sie sich dort um die Franchise-Lizenz.

Ihre Schriftliche Bewerbung sollte enthalten:

 

 

  • Warum möchten Sie ein Unternehmen gründen (Ihre persönlichen Beweggründe und Ihre Motivation für den Schritt in die Selbstständigkeit)?
  • Warum haben Sie sich fürs Franchising entschieden und sich dieses System für Ihre Gründung ausgesucht?
  • Ihr Werdegang, Ihr Lebenslauf, Ihre Berufserfahrungen
  • Ihre Stärken

 

 

Ihr Franchisegeber lädt Sie ein. Und nun?

Machen Sie sich vor dem Erst-Gespräch mit den Grundlagen des Franchising vertraut. Eignen Sie sich im Franchise-Glossar das Wissen über die wichtigsten Fachbegriffe wie Franchisenehmer-Beirat, Systemhandbuch, Franchise-Vertrag oder Businessplan an.

Fragen Sie im Erst-Gespräch gezielt unter anderem nach:

 

 

  • der wirtschaftlichen Entwicklung der Branche
  • der Marktposition und den aktuellen Partnerzahlen und Umsätzen/Gewinnen des Systems
  • der Entwicklung des Systems seit Gründung und in den letzten drei Jahren: Kennzahlen, Umsätze, Weiterentwicklung von Produkten oder Dienstleistungen
  • Welche Vertriebsgebiete sind frei?
  • Gibt es Marktstudien und Statistiken?
  • Welche konkreten Schulungsinhalte, Marketing-Tools und weitere Unterstützungs-Angebote hält die Systemzentrale bereit?

 

 

-> Tipp: Ausführliche Informationen finden Sie auch in den FranchisePORTAL-Checklisten.

 

 

Nach dem Erst-Gespräch und einem entsprechenden Interesse der Franchisegeber an Ihnen sollten sich ein oder zwei Kandidaten für Ihre engste Wahl herausbilden. Konsultieren Sie ggf. jetzt einen Franchise-Berater. Ein Experte für die Franchise-Beratung kann aus Erfahrung beurteilen, ob die Systeme seriös, tragfähig und rentabel für Sie sein können, ob die Leistungen erfolgversprechend und die Gebühren angemessen sind. Franchise-Berater begleiten Sie wie klassische Unternehmensberater auch bei der Finanzierung und mit betriebswirtschaftlichem Know-how an. Adressen finden Sie bei beim Franchise-Verband DFV (Deutschland), ÖFV (Österreich) oder SFV (Schweiz) sowie auf FranchisePORTAL.

 

 

Die Franchise-Gründung: Abschluss des Franchise-Vertrages

Der Franchise-Vertrag legt die gegenseitigen Rechte und Pflichten für die Umsetzung des vorgegebenen Geschäftsmodells fest. Mit ihm schützt der Franchise-Geber sein geistiges Eigentum und reglementiert dessen Nutzung. Ihnen sichert der Franchise-Vertrag die Nutzung der gewerblichen Schutzrechte des Franchise-Gebers zu, sprich Marke und Corporate Design, dazu Patente, Urheberrechte und ggf. Musterrechte. Er verpflichtet Sie aber auch zu deren Nutzung. 

Natürlich hat auch Ihr Franchise-Geber Ihnen gegenüber Pflichten. Eine Verbindlichkeit Ihres Franchise-Gebers kommt schon vor der Unterschrift zum Tragen: die sogenannte vorvertragliche Aufklärungspflicht. Der Franchise-Geber muss Ihnen detaillierte Kalkulationen, Geschäfts- und Betriebskennzahlen offenlegen. Auch Einblicke in die Handbücher sind obligatorisch. Sie müssen den Franchise-Vertrag ausgehändigt bekommen und ausreichend lang prüfen können. Ihrerseits müssen Sie den Franchisegeber detailliert über Ihren Werdegang, Ihre Qualifikation und Ihr Eigenkapital unterrichten. 

Fragen Sie Ihren Franchise-Geber, ob er Ihnen eine Reservierungsvereinbarung anbietet. Dieses ist eine Art unverbindlicher Vorvertrag. Er sichert Ihnen ggf. gegen Gebühr, dass das Vertriebsgebiet für Sie reserviert bleibt - bis Ihre Finanzierungsverträge mit Banken und Förderinstituten unter Dach und Fach sind. 

 

 

Inhalte des Franchise-Vertrages (Auswahl):

 

 

  • Genaue Beschreibung der eingeräumten Rechte und gegenseitigen Pflichten
  • Klare Abgrenzung des Vertriebsgebietes
  • Aufstellung aller Gebühren und Zahlungen
  • Beschreibung aller relevanten Waren-Angebote und Dienstleistungen, Arbeitsabläufe und Produktionsprozesse (die Einzelheiten für die tägliche Arbeit werden dagegen in den ausführlicheren Systemhandbüchern und Administrations-Manuals festgelegt)
  • Eine Vertragsdauer, die es Ihnen ermöglicht, Ihre Startinvestitionen zu amortisieren, ohne auf ewig an das System gebunden zu sein: In der Regel werden Franchise-Verträge über drei bis fünf, seltener zehn oder mehr Jahre Laufzeit abgeschlossen
  • Modalitäten zu Ausstieg, Vertragsverlängerung, Verkaufs- und Übertragungsmöglichkeiten sowie mögliche Vorkaufsrechte des Franchise-Gebers
  • Regelungen zur Rückgabe des Eigentums nach Vertragsende
  • Klauseln zu außerordentlichen Vertrags-Kündigung oder Fortführung des Betriebes - z.B. bei Tod oder Krankheit, signifikanten Umsatzeinbrüchen oder Vertragsverletzungen

 

 

Fazit: Beraten lassen ist günstiger als Fehler begehen

Franchising ist mit einem Mannschaftssport vergleichbar: einem Spiel nach klaren Regeln. Dazu müssen Sie bereit sein - als Unternehmer und Teamplayer. Das Team muss Ihnen aber auch den gewünschten Erfolg ermöglichen. Lassen Sie sich von Franchise-Experten bei Ihrer Auswahl beraten.

Die „Spielregeln“ müssen für jedes Franchise-Unternehmen und seine spezifischen Anforderungen einzeln festgelegt werden. Franchise-Verträge sind daher meist recht umfänglich. Sie berühren viele Rechtsfelder wie Handels-, Patent- oder Kartellrecht. Da es aber in Deutschland kein explizites Franchise-Recht gibt, können nicht einfach nur Paragraphen eingesetzt werden. Jede Vereinbarung muss rechtsverbindlich ausformuliert sein. Ein Anwalt, der auf Franchise-Recht spezialisiert ist, hilft Ihnen durch das Dickicht des Juristen-Deutsch. Unsere Fachliteratur-Tipps:

 

 


Autor:

Jens Kügler
Jens Kügler
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