28.09.2017

2. Schritt: Die eigene Gründung ordentlich konzipieren und planen

 

 

Die eigene Gründung zu planen bedeutet mehr als eine Geschäftsidee zu haben und die Selbstständigkeit anzumelden. Sie stellt eine der wichtigsten Weichenstellungen im Leben des Gründers dar – wenn nicht die wichtigste überhaupt. Daher sollte die Existenzgründung intensiver vorbereitet werden als jeder der bisherigen Schritte im Arbeitsleben. Dies reicht von der Beratung durch erfahrene Business Consultants über die Geschäfts- und Finanzplanung bis hin zur Klärung von Rechts- und Steuerfragen. Aus der Idee ist ein klares Konzept zu entwickeln. Anbei einige wichtige Tipps und Hilfen für den Start.

 

 

Der Businessplan

Kein Start, keine Unternehmensgründung ohne Businessplan: Die allgemein rund 15- bis 30-seitige Darstellung des Geschäftsmodells erfüllt zweierlei unerlässliche Funktionen. Einerseits dient sie dem Selbstständigen als Tool und Leitfaden für das unternehmerische Handeln vor allem in der Startphase. Im Wesentlichen aber ist sie eine Art Bewerbungsmappe bei den Geldgebern. Neben dem persönlichen Auftreten stellt der Businessplan das wesentliche Entscheidungskriterium für Kreditvergabe oder für den Einstieg eventueller Investoren, Gesellschafter oder Beteiligungsfirmen dar.

 

Der Businessplan enthält:

  • Geschäftsidee:
    In dieser Rubrik werden Gründungsidee, USPs und Zielgruppen-Nutzen der Produkte, Artikel oder Dienstleistungen überzeugend dargelegt
  • Gründerperson:
    Beschreibung des Lebenslaufs, der Fähigkeiten und Ziele des Gründers
  • Marktanalyse:
    Hier beleuchtet der Unternehmer in spe seine Zielgruppe, listet Daten zum Markt-Potenzial auf und beschreibt die Wettbewerbs-Situation. Auch Ansätze für sein Marketing und zur Gewinnung von Kunden sollte der Gründer erstellen bzw. entwickeln
  • Standortanalyse:
    Zu diesem Teil des Geschäftsplanes gehört eine Liste aller relevanten Standortfaktoren zur Wahl der Immobilie wie z.B. Lage, Raumgröße oder Verkehrsanbindung
  • Finanzplanung:
    Die Finanzplanung berücksichtigt Kapitalbedarf, Eigenkapital, Sicherheiten und mögliche Fördermittel. Hinzu kommen ein Umsatz- und Kostenplan sowie einen Liquiditätsplan. Mit ihnen soll die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens voraus kalkuliert werden

 


Für alle Fragen, Informationen und Inhalte eines seriösen Businessplan kann es ratsam sein, eine erfahrene Unternehmensberatung zu beauftragen.

In Franchisesystemen bieten die Zentralen zumeist Vorlagen oder Muster, die hilfreich sind, um den Plan zu erstellen. So kann der Punkt „Geschäftsidee“ komplett aus der Vorlage für den Partner übernommen werden. Zu Kunden, Marktanalyse, Finanzplanung, Marketing und anderen Fragen bieten die Vorlagen Tipps, Informationen und Guidelines. In sie fließen die Erfahrungen aus bisherigen Gründungen im Netzwerk ein.

 

 

Die Finanzierung

Eine Gründung planen und selbstständig werden heißt auch, die Finanzierung auf mehrere Säulen zu verteilen. Die Säulen sind Eigenkapital und Sicherheiten, Fremdkapital (das für fast jede Gründung benötigt wird) sowie mögliche Fördermittel und Zuschüsse.

Ist nicht genügend Eigenkapital vorhanden, springen im Idealfall Förderer aus dem Familien- oder Bekanntenkreis ein. Weitere Möglichkeiten und Quellen zur Kapitalbeschaffung sind Partner-Beteiligungen, Business Angels, Beteiligungsgesellschaften, Venture Capital, Investoren oder Crowdfunding. Über die modernen Crowdfunding-Plattformen lassen sich viele Investoren mit jeweils geringen Beträgen gewinnen.

 

Unternehmen finanzieren über Darlehen und Fördermittel

Hauptquelle für das nötige Fremdkapital sind aber meist Kredite für Selbstständige in Form von Bankdarlehen bzw. Investitionskrediten. Einen Teil des Finanzbedarfs können öffentliche Fördermittel beisteuern. Die Fördermittel dienen vornehmlich zur Aufstockung des Eigenkapitals als Kreditsicherheit. In manchen Fällen können Mikrokredite oder Gründungszuschüsse miteinkalkuliert werden.

Fördermittel beantragt der Gründer über seine Hausbank, die das Gesuch an eine Förderbank wie zum Beispiel die KfW weiterleitet. Um Fehler bei der kompletten Finanz-Planung, den Kreditanträgen und Verhandlungen sowie bei Fördermittel-Anträgen zu vermeiden, sollten erfahrene Gründungsberater bzw. Business Consultants involviert werden. Denn eine falsche – meist zu geringe – Planung und Kalkulation der Investitionskosten gehören zu den häufigsten Fehlern, an denen Gründungen von Unternehmen scheitern.

 

 

Die Steuer

Gründung planen und sich selbstständig machen – dies beinhaltet auch eine Vorab-Kalkulation des Steueraufkommens anhand des Umsatz- und Kostenplans. Die Steuer-Kalkulation fließt in die Liquiditätsplanung mit ein. Ein Unternehmer zahlt Einkommensteuer, im Regelfall Gewerbesteuer und je nach Gesellschaftsform gegebenenfalls auch Körperschaftssteuer. Außerdem sind die Vorsteuer und Umsatzsteuer zu berücksichtigen. Greift die sogenannte Kleinunternehmerregelung, ist der Gründer von der Umsatzsteuer befreit. Werden Arbeitnehmer beschäftigt, fällt neben der Einkommensteuer auch die Lohnsteuer an. Werden externe Freiberufler beauftragt, können Beiträge für die Künstlersozialkasse fällig werden.

 

Wichtig in der Buchhaltung: Lieber „Erbsen zählen“ als Überraschungen erleben!

Nach der Höhe der letzten Steuererklärung für den Selbstständigen fallen monatliche oder quartalsmäßige Vorauszahlungen an. Außerdem hat der Unternehmer regelmäßig Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben und die Umsatzsteuer-Beträge abzüglich der Vorsteuern abzuführen.

Um alle Steuerzahlungen vorauszuberechnen, ist eine korrekte Buchhaltung schon beim Gründen unerlässlich. Unerwartete Nachzahlungen können böse Überraschungen bedeuten. Und auf jeden Tag der verspäteten Nachzahlung erhebt das Finanzamt Säumniszuschläge.

Es empfiehlt sich, Steuerberater zu beauftragen. Denn das System der Steuern für Selbstständige ist sehr komplex. Und kaum jemand, der ein Unternehmen gründen und sich selbstständig machen möchte, kann die Steuern mit all seinen Pflichten und Steuervorteilen im Detail kennen.

 

 

Die Versicherung

Unternehmer, die eine Gründung planen, müssen auch private wie geschäftliche Risiken einrechnen. Manche dieser Risiken abzusichern ist praktisch ein Muss. Andere können versichert werden, müssen aber nicht. Vor allem in der sensiblen Business-Startphase sollten die Prämien für die Versicherungsverträge kalkulierbar bleiben. Gilt es doch, Überversicherung und zu hohe Prämien zu vermeiden.

 

Gesetzlich oder privat krankenversichert?

Zum „Muss“ einer Gründung gehört die Krankenversicherung für Selbstständige. Hier hat der Gründer die Wahl zwischen einer freiwillig-gesetzlichen Versicherung durch eine Krankenkasse oder einer privaten Krankenversicherung. Erstere bietet den Vorteil, dass die Höhe der monatlichen Zahlung wie bei einem Arbeitnehmer nach dem Einkommen erhoben wird. Wer wenig verdient, zahlt wenig. Die privaten erheben in der Regel fixe monatliche Beiträge und zahlen Teile davon zurück, wenn sie nicht in Anspruch genommen wurden. Die Beiträge richten sich nach Alter und Krankheitsrisiko. Für einen jungen Selbstständigen ist die private Krankenversicherung meist wesentlich günstiger – verbunden mit besseren Leistungen als bei den Gesetzlichen. Der Nachteil: Im Alter steigen die Beiträge oft astronomisch.

 

Verträge für Rente, Haftpflicht, Rechtsschutz und Berufsunfähigkeit

Als Alternative oder Ergänzung zur staatlichen Rentenversicherung schließen Selbstständige oft private und staatlich geförderte Verträge wie die Rürup-Rente ab.

Dringend zu empfehlen sind ferner eine Berufsunfähigkeits-Versicherung, eine Betriebshaftpflicht-Versicherung, eine Geschäftsinhalts-Versicherung sowie für Streitfälle eine Betriebs-Rechtsschutzversicherung. Damit ist die Existenzgründung im Wesentlichen abgesichert.

 

 

Hier geht's zum 3. Schritt: Die Eröffnung und der Start der eigenen Selbstständigkeit

Autor:

Jens Kügler
Jens Kügler
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