02.08.2018

Existenzgründung finanzieren: so geht's!

 

 

Folgen Sie uns in sechs Schritten zur Finanzierung. Angefangen mit der Errechnung der Investitionssumme – hier am Beispiel eines Franchisenehmer-Betriebes. Die weiteren Schritte gelten für jede Existenzgründung:

Lesen Sie, wie Sie Ihr Eigenkapital bestimmen, wie Sie an Fördermittel kommen, wie Sie Ihren Businessplan erstellen und womit Sie sich optimal auf das Bankgespräch vorbereiten. Zu guter Letzt stellen wir Ihnen alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu Bankkrediten vor. Verlinkt sind jeweils unsere Expertenstimmen, die die Themen zu Investition und Finanzierung detaillierter beleuchten.

 

 

Was ist die Investitionssumme im Franchising?

Die Finanzierung einer Franchise-Existenzgründung kann wenige Tausend Euro, aber auch hohe sechs-, ja siebenstellige Summen verschlingen. Es ist eben nicht dasselbe, ob Sie einen Kunden-Service vom Homeoffice aus anbieten oder ein Systemgastronomie-Restaurant mit Immobilienfinanzierung, Einrichtung und Personalstamm eröffnen.

Wie viel brauchen Sie für welche Sachinvestitionen? Rechnen Sie alles ein – vom Grundstück über das Gebäude bis hin zu Geräten oder Fuhrpark. All diese Investitionen gehen ins Anlagevermögen. Es wird langfristig über die Einkommensteuer abgeschrieben. Kapitalbedarf besteht sicher auch für Betriebsmittel. Es sind die sogenannten immateriellen Kosten. Zum Beispiel für Personal, Miete oder Marketing.

Da Sie Ihr Unternehmen in einem Franchise-Netzwerk gründen, fällt bei der Finanzierung noch die Einstiegsgebühr an (und später, aus den laufenden Einnahmen, auch die regelmäßige Franchisegebühr). Die Einstiegsgebühr ist kein klassisches Anlagevermögen. Buchhalterisch wird sie aber wie eine Sachinvestition behandelt und abgeschrieben.

Keine Sorge, wenn Ihnen der Kopf schwirrt: Bei Ihrer erstmaligen Existenzgründung können Sie kaum auf Erfahrungen in Sachen Kapitalbedarf zurückgreifen. Wohl aber aber auf Gründungs-Berater, die schon viele erfolgreiche Unternehmens-Finanzierungen begleitet haben. Berater-Honorare lassen sich zum Teil durch Förderprogramme begleichen. Und da Sie in ein Franchise-Netzwerk einsteigen, nutzen Sie dessen reichen Erfahrungsschatz: Ihr Franchisegeber hilft!

Nur soviel vorab: Setzen Sie die Investitionssumme nicht zu gering an. Keine Bank, kein Förderinstitut schießt Geld nach, wenn Ihrem Geschäft wegen zu geringer Kapitaldeckung die Puste ausgeht.

 

 

So bestimmen Sie Ihr Eigenkapital

Banken brauchen Sicherheiten. Seit Basel III und Bankenkrise gilt: kein Kredit, keine Finanzierung einer Existenzgründung ohne Eigenkapital! Die meisten Geldhüter geben ihre Kredite und Fördermittel meist erst dann frei, wenn Sie mit Ihrem Eigenkapitalanteil für 25, 30 oder sogar 35% des Gesamtkapitals aufkommen können. Ergo errechnen Sie und Ihr Berater mit dem Finanzierungsplan auch Ihren Eigenkapitalbedarf.

Dann erarbeiten Sie Ihre Strategie der Kapitalbeschaffung: Woher kommt Ihr Eigenkapital? Von Ihnen selbst, aus Sachwerten und Ersparnissen. Möglicherweise auch von Teilhabern, Freunden oder Familienmitgliedern, sprich: privaten Geldgebern. Reicht das zur Finanzierung Ihres Gründungsvorhabens? In seltenen Fällen.

Strategische Investoren bieten Beteiligungen zur Finanzierung an. Bei einer stillen Beteiligung besteht aber zumeist nur das Interesse an einer Rendite, zum Beispiel durch Ausschüttungen oder Dividenden. Manche Investoren möchten ihre Beteiligung nach einigen Jahren gewinnbringend verkaufen, wenn der Laden läuft. Ein Beispiel sind private Business Angels: Sie bringen oft auch ihr Unternehmer-Know-how ein.

Bei Beteiligungsgesellschaften ist die Geldvergabe Geschäftsmodell. Sie bieten sich mit Venture Capital (Risikokapital) oder Private Equity-Fonds an. Das moderne Crowd-Investing mit einer Masse an Kleininvestoren über Internet-Plattformen eröffnet weitere mögliche Geldquellen. Und – nicht zu vergessen – die staatlichen Förderprogramme in Deutschland und Österreich!

Was finanzieren Sie mit Ihrem Eigenkapital? Es sind vor allem die langfristig im Unternehmen verbleibenden Vermögensgegenstände wie Grundstück, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge oder Lizenzen. Auch sollten bestimmte Kosten für die Gründungsvorbereitung abgedeckt sein. Etwa Ihre ersten Warenbestände oder Mehrwertsteuern. Erste Verluste lassen sich zum Teil auch über einen Dispo begleichen.

Ansonsten gilt: Das Eigenkapital nicht für laufende Kosten ausgeben. Denn Sie haften mit Ihrem Eigenkapital als vollständigem „Verlustpuffer“. Folglich macht auch eine Gründung nur mit Eigenkapital wenig Sinn. Nutzen Sie zur Finanzierung die derzeit niedrigen Zinsen für günstige Kredite!

 

 

Fördermittel für die Existenzgründung

Vater Staat hilft bei der Existenzgründung. In Deutschland können Sie die Förderkredite der bundeseigenen KfW oder der Landes-Förderbanken beantragen. Auch in Österreich gibt es entsprechende Fördertöpfe. Ihre Darlehen sind zinsgünstig, bieten fairere Konditionen als ein klassischer Ratenkredit und meist tilgungsfreie Zeiten. Möglich sind auch Zuschüsse, die Sie nicht zurückerstatten müssen, zum Beispiel Gründungszuschuss, Lohnkostenzuschuss oder Projektzuschuss. In der Schweiz bieten vor allem kommunale oder kantonale Hilfen oder Steuervergünstigungen Anreize.

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlichster Förderprogramme. Man spricht sogar vom Förderdschungel. Den Durchblick hat Ihr professioneller Gründungsberater. Rechnen Sie mit seiner Hilfe Ihr optimales Fördermodell durch – mit Zinshöhen und Laufzeit-Längen.

Beantragen können Sie die Fördermittel nur über Ihre Hausbank. Vor dem ersten Bankgespräch müssen Sie eine klare Vorstellung darüber haben, welches Förderprogramm für Sie infrage kommt. Ihr Businessplan muss fertig vorliegen: Beschreiben Sie darin klar die Verwendung der Fördermittel.

Kurzum: Ihr erster Weg führt zu einem Gründungsberater. Welcher ist der Richtige? Die IHK oder HWK hilft gern weiter. Ebenso Ihr Franchisegeber. Investieren Sie in die Beratung: Jede Fehlkalkulation, jeder scheiternde Antrag ist teurer. Für die Beratung gibt es Förderungen und Zuschüsse – und zumeist ein honorarfreies Erstgespräch.

 

 

Businessplan erstellen - so geht's!

Vergleichen wir Ihre Existenzgründung mit einem Haus, kann das Eigenkapital als Dach und das Fremdkapital als tragendes Mauerwerk bezeichnet werden. Wichtiges Fundament ist der Businessplan. In ihm formt sich Ihre Geschäftsidee erstmals zum konkreten Konzept.

Der Businessplan ist Ihr Leitfaden fürs unternehmerische Handeln in der Frühphase. Sein konkreter Zweck aber ist „Bewerbungsmappe“ bei den Banken für Kredit und Fördergelder. Kein Geld ohne Plan!

Viele Gründer unterschätzen den Aufwand. Rechnen Sie mit mindestens drei Monaten Zeit für die Businessplan-Erstellung! Warum? Der Businessplan sollte gründlich ausgearbeitet sein und 15 bis 30 Seiten ausführlicher Informationen umfassen. Keine Kleinigkeit, zumal Sie a) so etwas sicher noch nie gemacht und b) in der Phase der Existenzgründung viel um die Ohren haben.

Wer noch nie einen Businessplan geschrieben hat, braucht die Hilfe eines Unternehmensberaters. Ein solcher Gründungsprofi kennt die Schemata und die Anforderungen der Geldgeber genau. Wahrscheinlich bietet er auch seine Begleitung zu den Kredit-Verhandlungen an. Wenden Sie sich an einen Berater, der bei der BAFA oder der KfW registriert ist. Die Kosten können Sie sich zu mindestens 50% durch BAFA oder Förderinstitute erstatten lassen.


Was gehört in Ihren Businessplan?

 

  • Executive Summary: Zusammenfassung der wichtigsten Informationen. Eine Übersicht für den Bankberater.
  • Ihr Markt: Beschreibung Ihres Produktes/Ihrer Dienstleistung sowie der Branche, der Kunden-Zielgruppe, des allgemeinen Marktpotenzials, der Markttrends und der Wettbewerbssituation. Hinzu kommen Ihre Preiskalkulation und die voraussichtlichen Zahlungsströme.
  • Ihre Geschäftsidee: Beschreiben Sie Ihr Angebot im Detail samt Alleinstellungsmerkmal, dazu die Erfolgsfaktoren sowie die Chancen und Risiken. Als Franchisenehmer fügen Sie hier einfach die Systembeschreibung Ihres Franchisegebers ein.
  • Ihr Marketingplan: Beschreiben Sie, mit welchen Kanälen und Maßnahmen Sie Kunden gewinnen möchten.
  • Ihr Gründerprofil: Geben Sie die Antwort auf die Frage „Warum Sie?“ mit Ihrem Lebenslauf und einer Beschreibung Ihrer persönlichen und fachlichen Eignung. Plus Zeugnissen, kaufmännischen Nachweisen, Eigenkapitalnachweis, Schufa-Auskunft, Lebenshaltungskosten u.m. Weisen Sie gute Angestelltenverdienste nach: Wer gut verdient, dem traut man auch Erfolg als Unternehmer zu.
  • Ihr Standort: Analysieren Sie Standort und Lage, Größe, Kaufkraft und Wettbewerb vor Ort für Ihr Vertriebsgebiet.
  • Ihr Finanzierungsplan: Für die Bank das Wichtigste. Ihre Kapitalbedarfsplanung für alle Investitionen, Ihr Finanzierungsplan mit Anteil Eigen- und Fremdkapital sowie Fördermitteln, Ihre geplante Umsatz-, Kosten-, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Liquiditätsplanung auf drei, besser vier Jahre Laufzeit.

 

 

Franchisegeber bieten zumeist Muster-Businesspläne, die Sie als Existenzgründer mit Informationen zu Ihrer Person und Ihrem Standort anpassen müssen.

 

 

Das Bankgespräch: So erhalten Sie einen Kredit für Ihre Existenzgründung

Ihr Bankkundenberater erwartet nicht nur einen Businessplan: Er wird die Darlehen nur freigeben, wenn Sie ihn persönlich von sich überzeugen – als leidenschaftlicher und kaufmännisch versierter Unternehmertyp. Und natürlich von Ihrer exzellenten Geschäftsidee. Lassen Sie sich gern von Ihrem Gründungsberater begleiten. Aber: das Gespräch führen Sie.

Achtung: Bankberater degradieren Antragsteller gern zu Bittstellern. Falsch! Denken Sie dran: Sie haben der Bank etwas zu bieten. Die Aussicht auf gute Zinsverdienste. Führen Sie Ihr Gespräch selbstsicher und auf Augenhöhe!

Bereiten Sie sich gut vor. Behalten Sie stets die wichtigsten Eckdaten wie Kapitalbedarf, Kosten und geplante Umsätze im Kopf. Legen Sie sich die Antworten auf kritische Fragen zurecht, vielleicht in Form eines Gesprächsleitfadens (Ihr Gründungsberater kennt die typischen Fragen). Es gibt keine zweite Chance für einen ersten, guten Eindruck!

 

 

Finanzierung der Existenzgründung: Diese alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gibt es

Beginnen wir mit den Fördermitteln. Auch wenn sie eigentlich nicht als Alternative zum Ratenkredit, sondern als selbstverständlicher Baustein der Kapitalbeschaffung gelten. Bis 100.000 Euro Gesamtsumme kommt unter anderem der ERP-Gründerkredit Startgeld infrage. Für Summen ab 100.000 Euro gibt es mehrere Quellen, etwa Bürgschaftsbanken, den ERP-Gründerkredit Universell oder das ERP-Kapital für Gründung. Schweizer Gründer sind „EU-Ausländer“, ihnen stehen diese Mittel nicht zur Verfügung.

Alternative Finanzierungsmöglichkeiten sind zum Beispiel Private Equity und Risikokapital. Das „Private“ bedeutet: keine Mittel aus Börsenhandel, Equity heißt Eigenkapital. Risikokapital ist auch als Venture Capital bekannt (Venture = Wagnis). Institutionen aus beiden Bereichen steuern häufig größere Summen zur Existenzgründung oder Expansion mit dem Ziel bei, sie später gewinnbringend zu veräußern.

Der Unterschied: Private Equity-Firmen investieren – wie Aktienfonds – vornehmlich in konservativere Branchen und Unternehmen mit hohen Gewinnwahrscheinlichkeit. Und Risikokapital? Wie der Name vermuten lässt, fließt es in riskantere Anlagen und „erkauft“ sich oftmals Anteile oder Mitspracherechte im Unternehmen. Viele Startups mit innovativen Geschäftsideen nutzen diese Möglichkeit, an Geld zu kommen. Banken haben oft zu wenig Vertrauen in die kaum erprobten Geschäftsmodelle.

Immer weitere Kreise zieht das webbasierte Crowdfunding. Auf den einschlägigen Crowd-Plattformen wie Auxmoney sind viele Nutzer registriert, die kleine Summen gewinnbringend investieren wollen.

Existenzgründer können dort auch eine eigene Crowdfunding-Kampagne starten – am besten mit einer witzigen Idee und überzeugenden Beschreibung. Beliebt sind Video-Präsentationen. Die Beträge? Theoretisch grenzenlos. Allerdings dürfte es dauern, bis größere Summen für die Finanzierung zusammenkommen.

Auch Warenkredite können einen Teil zur Start-Finanzierung beisteuern: Sprechen Sie mit Ihrem Lieferanten zum Beispiel über Sonderkonditionen zum Start oder längere Zahlungsziele: Er sollte an einer positiven Geschäftsentwicklung seines neuen Abnehmers interessiert sein. Übrigens gibt es Dienstleister, die sich auf das Thema Warenfinanzierung spezialisiert haben. Thema Anlage-Investition: Prüfen Sie, ob statt Kauf auch Leasing-Möglichkeiten mit günstigen Konditionen zur Verfügung stehen. Jeder Vergleich lohnt.

Zurück zu Ihrer Bank: Für kleinere fünfstellige Summen reicht der klassische Konsumerkredit, häufig als Möbelkredit beworben. Sie erhalten ihn bei entsprechender Bonität sofort. Auf Konsumerkredite spezialisiert sind Anbieter wie Barclays Card oder Santander. Vergessen Sie auch nicht, mit Ihrer Hausbank einen entsprechenden Dispo für Ihr Kontokorrentkonto (z.B. Girokonto) auszuhandeln. Er ist zwar meist viel teurer als ein Kredit, bietet aber ein zusätzliches Sicherheitspolster bei Engpässen.

 

 

Fazit: Viele Wege führen nach Rom - auch in Sachen Finanzierung

Es steckt viel Wahres in klassischen Lehrsätzen wie: keine Existenzgründung ohne Kapital. Keine Gründung nur mit voll haftendem Eigenkapital ohne zinsgünstige Kredite. Keine zu geringen Summen, aber auch keine zu hohen Belastungen. Tarieren Sie Ihre Finanzierung mit Ihrem Berater genau aus - anhand mehrerer Modelle. Und nutzen Sie mehr als nur eine Geldquelle.

 

Hier weiterlesen: Der Weg in die berufliche Selbstständigkeit

Autor:

Jens Kügler
Jens Kügler
Easy Writer
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