Gründer im Franchise-Glossar

Was ist ein Gründer?

Ein Gründer oder Firmengründer ist eine Einzelperson, die eine berufliche Tätigkeit auf wirtschaftlich und rechtlich selbstständiger, gewerblicher bzw. freiberuflicher Basis aufnimmt. Bei einer Selbstständigkeit als Freiberufler oder Einzelunternehmer werden Gründer auch einfach Existenzgründer genannt. Begrifflich setzt man Firmengründer oft mit Unternehmensgründern gleich, die eine Kapital- oder Personengesellschaft ins Leben rufen.

 

Wer sind Firmengründer?

Gründer sind Personen, die sich - nach Kündigung ihrer Anstellung bzw. aus der Arbeitslosigkeit oder anderweitigen Selbstständigkeit heraus - für eine Existenzgründung entscheiden. Im Allgemeinen versteht man als unter einem Gründer jemanden, der sich mit einer Firmengründung und nicht als Freiberufler selbstständig macht. Ein Gründer wird daher oft auch als Jungunternehmer oder Start-up-Unternehmer bezeichnet. Im alltäglichen Sprachgebrauch gibt es jedoch Unterschiede:

  • Unternehmensgründung: Dieser Begriff ist sehr verbreitet für die Gründung größerer Unternehmen
  • Firmengründung: Kann alles bedeuten, auch die Gründung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU)
  • Existenzgründung: Der allgemeinste Gründer-Begriff, wird z.B. auch für freiberufliche Gründer benutzt
  • Start-up-Unternehmen: Gilt allgemein als Synonym für technisch innovative Gründungen, z.B. aus dem Bereich digitaler Medien

 

Welche Möglichkeiten hat ein Gründer?

  1. Ein Gründer kann sich mit einer eigenen Geschäftsidee, unter seinem eigenen Firmennamen und mit einer eigenen Marke oder eigenen gewerblichen Schutzrechten selbstständig machen.
  2. Ein Gründer kann eine Unternehmensnachfolge antreten oder sich an einem Unternehmen beteiligen
  3. Ein Gründer kann sich ohne eigene Geschäftsidee in einem Lizenzsystem oder Franchisesystem selbstständig machen. Siehe Wege in die Selbstständigkeit.

Last but not least können sich Existenzgründer als Freiberufler selbstständig machen. Diese Form des Unternehmertums ist besonders unter Berufsgruppen wie Künstlern, Journalisten, niedergelassenen Ärzten, Rechtsanwälten, Steuerberatern, Unternehmensberatern oder IT-Dienstleistern verbreitet.

 

Was motiviert Firmengründer?

Ein Großteil aller Gründer und Selbstständigen unterscheidet sich in wesentlichen Denk- und Handlungsweisen oder Charaktereigenschaften von Menschen, die ein Arbeitsleben als Angestellte bevorzugen. Häufig geäußerte Beweggründe für den Sprung in die Selbstständigkeit sind folgende:

  • Firmengründer verwirklichen Lebensträume mit ihrer Unternehmensgründung – z.B. mit den Produkten, die sie herstellen oder den Arbeiten, die sie durchführen
  • Firmengründer möchten in ihren Entscheidungen frei und nicht weisungsgebunden sein
  • Firmengründer streben ein höheres Einkommen oder bessere wirtschaftlich Verhältnisse an als jene, die sie als Angestellte hatten oder voraussichtlich haben könnten

Manche Firmengründer handeln hingegen aus einer wirtschaftlichen oder existenziellen Notlage heraus, zum Beispiel, um eine Arbeitslosigkeit zu beenden. In der Regel haben diese Menschen allerdings schlechtere Voraussetzungen bei der Gründungsfinanzierung, da ihnen das notwendige Eigenkapital als Sicherheit für Kredite fehlt. Um ihre finanzielle Ausgangslage zu verbessern, können Arbeitslose mit Gründungsplänen und tragfähigen Geschäftskonzepten staatliche Gründungszuschüsse beantragen. 

Für manche Menschen erscheint eine Firmen- oder Existenzgründung sogar als einzige reelle Chance auf eine Karriere. Dies gilt in Deutschland insbesondere für Menschen mit Migrationshintergrund. Laut Studien des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit sowie der Universität Koblenz sind Menschen dieser Bevölkerungsgruppe schon allein aufgrund ihres fremdländischen Namens bei der Bewerbung um höher qualifizierte Jobs gegenüber Bewerbern mit einheimischen Namen benachteiligt. Auf diesen Umstand führen es die Meinungsforscher zurück, dass die Quote der Firmengründer unter dieser Gesellschaftsgruppe doppelt so hoch wie im gesamtdeutschen Durchschnitt ist.


Was charakterisiert Firmengründer?

Im Zusammenhang mit Denk- und Handlungsweisen von Unternehmens- oder Existenzgründern taucht oft ein abstrakter Begriff auf: Unternehmergeist. Hier spielen neben dem Wunsch nach Unabhängigkeit und Handlungsfreiheit eine Vielzahl an Charakteristika mit hinein, die Gründern und Unternehmern nachgesagt werden. 

Zum Beispiel:

  • Firmengründer sind risikobereiter. Unternehmern fehlt die finanzielle Sicherheit, die ein regelmäßiges Angestelltengehalt bietet. Sie schließen die Möglichkeit mit ein, zu scheitern und für Misserfolge notfalls mit ihrem Eigentum einzustehen.
  • Firmengründer arbeiten mehr. Unternehmer haben im Allgemeinen keinen „geregelten“ Acht-Stunden-Tag. Nicht wenige Selbstständige sind fast rund um die Uhr für ihre Kunden erreichbar. Besonders in der Startphase eines Unternehmens, in der sich bei den Arbeitsprozessen noch keine Routine eingestellt hat, arbeiten Gründer nicht selten 12, ja 16 Stunden am Tag und sind auch an Sonn- oder Feiertagen im Einsatz. Daher sind physische Gesundheit und Belastbarkeit eine ebenso wichtige Voraussetzung wie ein familiäres Umfeld, das die Firmengründung mit trägt und den damit einhergehenden Zeitmangel für das Privatleben akzeptiert. 
  • Firmengründer sind motivierter. Unternehmer lassen sich durch Erfolge zu weiteren Zielen anspornen. Sie lassen sich durch Misserfolge nicht von ihren Zielen abbringen.
  • Firmengründer können Mitarbeiter führen. Erfolgreiche Unternehmer verstehen es, ihr Team für ihre Ziele zu gewinnen und zu bestmöglichen Arbeitsleistungen zu bewegen.
  • Firmengründer sind Organisationstalente. Selbstständige können Teams, Lieferanten und Arbeitsprozesse organisieren und koordinieren.
  • Firmengründer sind Finanz-Jongleure. Selbstständige tragen meistens eine weitaus höhere finanzielle Verantwortung als Arbeitnehmer. Sie haben Aufträge, Forderungen, Verbindlichkeiten und Zahlungsflüsse im Griff.

 

Welche Gründer-Vorteile bietet Franchising?

Ein Franchise-Gründer tritt in ein bestehendes Franchise-Netzwerk ein. Er ist selbstständig, arbeitet aber unter der Marke und nach dem Geschäftskonzept des Franchisegebers (siehe: einheitliches Auftreten). Er „multipliziert“ es, indem er es in seinem vertraglich geschützten Vertriebsgebiet umsetzt.

Franchising bedeutet rechtliche Selbstständigkeit, aber nur eingeschränkte unternehmerische Freiheit. Ein Franchisenehmer besitzt nicht die Schutz- und Markenrechte: Im Franchise-Vertrag wird ihm die Nutzung der Rechte eingeräumt und verpflichtend auferlegt. In der Umsetzung des Geschäftsmodells ist er weisungsgebunden. Und er zahlt in den meisten Netzwerken eine einmalige System-Eintrittsgebühr sowie regelmäßige, meist umsatz- oder gewinnabhängige Franchisegebühren. Dafür profitiert er von zahlreichen Vorteilen.

 

Die Franchise-Gründer-Vorteile - zusammengefasst:

  • Der Gründer übernimmt als Franchisenehmer ein etabliertes Geschäftsmodell. Angebot, Geschäftsprozesse und Abläufe sind erprobt. Er vermeidet Gründerfehler und startet mit besten Erfolgschancen.
  • Der Franchise-Gründer startet in der Regel unter einer allgemein oder in der Branche bereits bekannten Marke. Er muss nicht für den Markenaufbau sorgen.
  • Der Gründer profitiert von der Arbeitsteilung im Franchisesystem. Er kann sich auf sein Kerngeschäft fokussieren: Viele administrative Aufgaben wie Einkauf, überregionales Marketing, Schulung/Weiterbildung oder kaufmännische Unterstützung werden als Leistungen der Systemzentrale übernommen.
  • Der Gründer erhält im Allgemeinen eine umfassende Ausbildung – fachlich wie kaufmännisch und in Fragen der Unternehmensführung.
  • Der Franchise-Gründer profitiert nicht nur vom Praxiswissen seines Franchisegebers: In den meisten Netzwerken findet regelmäßig Erfahrungsaustausch mit den anderen Franchisenehmern z.B. in Partnertagungen statt.

Franchising wird häufig als „Unternehmerschule“ bezeichnet. Viele Gründer gehen bei ihrem Erst-Start in die Selbstständigkeit den als sicherer geltenden Weg des Franchising statt der als risikoreicher geltenden Eigengründung.

 

Die Nachteile für Franchise-Gründer (Zusammenfassung):

  • Keine Umsetzung einer eigenen Geschäftsidee; „Unterordnung“ unter bestehende Marke und das Geschäftskonzept, unter Umständen keine volle „Selbstverwirklichung“
  • Beschränkte unternehmerische Freiheit durch Weisungsbefugnisse des Franchisegebers
  • Es ist eine System-Eintrittsgebühr zu zahlen
  • Es sind meist monatliche Franchisegebühren zu zahlen, teilweise auch Werbegebühren

Für seine Gebühren erhält der Franchisenehmer unter anderem die Nutzungsrechte für Marke und Geschäftskonzept, den Know-how-Transfer sowie die Leistungen der Systemzentrale, siehe Pflichten des Franchisegebers.

 

Wie viel Kapital braucht ein Gründer?

Ganz gleich, ob die Gründung unter eigenem Namen erfolgt oder der Gründer in ein Franchise-System einsteigt: Praktisch immer wird Startkapital zur Gründerfinanzierung benötigt. Sei es für die Anlageinvestitionen, die Kundengewinnung oder den eigenen Lebensunterhalt. Fast kein Gründer kommt ohne Fremdkapital in Form von Bankdarlehen aus. Die Banken vergeben meist nur Kredite an Gründer mit einer ausreichenden Quote an Eigenkapital als Sicherheit (ca. 15 bis 25%). Das Eigenkapital kann durch staatliche Fördermittel aufgestockt werden (siehe auch: alternative Finanzierungsmöglichkeiten).

Um Darlehen wie Förderkredite zu beantragen, benötigt der Gründer einen Businessplan. Im Businessplan werden Geschäftsidee, Marktanalysen, Marketingmaßnahmen und vor allem das Konzept zur Finanzierung dargelegt.

Die Erstellung des Businessplans ist für die meisten Gründer die erste eingehende Beschäftigung mit ihrem Geschäftskonzept und den Erfolgsaussichten. Franchise-Gründer können Teile des Businessplans vom Franchisegeber übernehmen. Eigengründern empfiehlt es sich, einen Unternehmensberater bzw. Gründer-Coach zu konsultieren. Eine Gründungsberatung wird im Allgemeinen von den Bundesländern bezuschusst.

 

Welche Gründer-Wettbewerbe gibt es?

In vielen deutschen Bundesländern finden jährlich Gründerwettbewerbe oder Businessplan-Wettbewerbe von Gründer-Initiativen statt. Dabei werden die innovativsten Gründer oder erfolgversprechendsten Geschäftsideen mit Geld- und Sachpreisen prämiert. Informationen erteilen u.a. die örtlichen Industrie- und Handelskammern.

 

Allgemeines Gründer-Wissen

Ausführliche Informationen für Gründer bietet das FranchisePORTAL unter der Rubrik Gründerwissen.

 

Was ist das Gründer-Klima?

Der jährlich erscheinende Gründungsmonitor der KfW-Förderbankengruppe veröffentlicht Statistiken zu den Firmengründungen in Deutschland. Laut KfW-Gründungsmonitor 2017 fiel die Zahl der Gründer im untersuchten Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 91.000 auf einen Tiefststand von 672.000. Als Grund wird die positive Arbeitsmarktsituation vermutet. Einen Vorteil sehen die KfW-Marktforscher darin, dass weniger sogenannte Notgründungen (aus Arbeitslosigkeit heraus) und mehr „Chancen-Gründungen“ von Menschen erfolgen, die sich mit ihrer Selbstständigkeit einen Traum erfüllen.

Autor:

Jens Kügler
Jens Kügler
Easy Writer
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